Weltpolitik

Lebenslang wegen tödlicher Schüsse auf Bosporus-Brücke

Zwei Jahre nach dem gescheiterten Umsturzversuch in der Türkei hat ein Gericht in Silivri bei Istanbul am Donnerstag dutzende Soldaten zu lebenslänglichen oder langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Angeklagten seien in der Putschnacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 auf einer Bosporus-Brücke an der Tötung von 32 Zivilisten und zwei Polizisten beteiligt gewesen, meldete die Agentur Anadolu.

72 Angeklagte, darunter ein Oberstleutnant, wurden des "versuchten Umsturzes der verfassungsmäßigen Ordnung" für schuldig befunden und zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt. Weitere 27 Angeklagte müssen wegen "Komplizenschaft" beim Umsturzversuch gegen Präsident Recep Tayyip mehr als 15 Jahre ins Gefängnis. Zwölf Angeklagte erhielten zudem wegen "vorsätzlicher Tötung" von Erdogans langjährigem Wahlkampfleiter Erol Olcok und dessen 16-jährigem Sohn Abdullah Tayyip lebenslängliche Haftstrafen.

Abtrünnige Soldaten hatten am Abend des 15. Juli eine Bosporus-Brücke in Istanbul mit Panzern besetzt, um den Verkehr von der asiatischen Seite der Metropole zum europäischen Teil zu blockieren. Nach einem Aufruf Erdogans, sich den Putschisten auf den Straßen zu widersetzen, versammelten sich tausende Menschen auf der Brücke. In der folgenden Auseinandersetzung starben auch sieben Soldaten. In der Früh ergaben sich die Putschisten der Polizei und legten ihre Waffen nieder. Die Brücke ist heute nach den "Märtyrern vom 15. Juli" benannt.

Die Regierung macht die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Der langjährige Verbündete Erdogans hatte sich 2013 mit ihm überworfen und lebt mittlerweile im US-Exil. Er bestreitet jede Verwicklung in den Umsturzversuch.

Der Prozess in Istanbul ist einer von mehreren Verfahren gegen mutmaßliche Putschbeteiligte. Seit dem Putschversuch wurden in der Türkei rund 77.000 vermeintliche Gülen-Anhänger festgenommen und 140.000 weitere aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert, darunter Lehrer, Richter und Polizisten.

Ein Großteil der Inhaftierten wartet seit langem auf ein Verfahren. Kritiker werfen Erdogan vor, den Putschversuch als Vorwand zu benutzen, um kritische Journalisten, prokurdische Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten mundtot zu machen.

Quelle: Apa/Ag.

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