Weltpolitik

Liberale Muslima votierte wegen Jihadisten für Trump

Asra Nomani ist eine Liberale, Migrantin und Muslima - und hat bei der US-Präsidentenwahl trotzdem den Rechtspopulisten Donald Trump gewählt. "Ich bin eine schweigende, geheime Wählerin von Donald Trump", sagte die frühere Journalistin am Freitag dem US-Nachrichtensender CNN. Sie begründete ihre Entscheidung mit "der äußerst realen und ernsten Bedrohung durch extremistische Muslime".

Liberale Muslima votierte wegen Jihadisten für Trump SN/APA (AFP)/TIMOTHY A. CLARY
Wer Andersdenkende beschimpft verletzt liberale Werte.

"Das ist ein Faktum, das wir aus Gründen der politischen Korrektheit nicht direkt angegangen sind", erläuterte die Mitbegründerin einer islamischen Reformbewegung. Sie beklagte, dass eine "liberale Ehrenbrigade" jede rationale Diskussion über Flüchtlinge und Extremisten vereitle. Deshalb sei es nicht möglich, in dieser Frage "einen Mittelweg" zu finden. Trump sei zwar "taktlos", aber er spreche die Wahrheit aus.

Nomani machte ihre Wahlentscheidung am Donnerstag in einem Beitrag für die "Washington Post" öffentlich, um ein Zeichen zu setzen gegen die Intoleranz des linksliberalen Lagers, dem sie sich selbst zugehörig fühlt. "In diesem ganzen Wahljahr haben wir einfach so viele Menschen zum Schweigen gebracht", kritisierte die frühere "Wall Street Journal"-Reporterin.

Auch sie habe nach ihrem "Bekenntnis" einen Shitstorm in den sozialen Medien geerntet, berichtete Nomani. Wer Andersdenkende beschimpfe, verletze liberale Werte wie Meinungsfreiheit oder Selbstbestimmung. "Aus diesem Grund habe ich mich zu Wort gemeldet, weil wir die Würde aller Menschen verteidigen sollten und auch Trump-Wähler Menschen sind."

Nomani hofft, mit ihrem Statement einen Beitrag dazu leisten zu können, dass sich die beiden politischen Lager im Land einander annähern und etwa in der Frage des islamischen Extremismus Lösungen finden, "die unsere nationale Sicherheit und die Menschenrechte schützen".

Trump hatte im Wahlkampf mit radikalen Aussagen zum Thema Einwanderung und Jihadismus für Aufregung gesorgt. So schlug er etwa pauschale Einreiseverbote für Muslime vor, ruderte dann aber wieder zurück. Außerdem machte er mit frauenfeindlichen Aussagen Schlagzeilen. Kritiker befürchten, dass Trump die Bürgerrechte einschränken könnte.

Quelle: APA

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