Weltpolitik

Ludwigshafener Bombenfund lässt Fragen offen

Einen Tag nach Bekanntwerden des vermutlichen Anschlagsversuchs durch einen Zwölfjährigen in Ludwigshafen sind viele Fragen offen. Es lasse sich nichts Neues sagen, betonte die Bundesanwaltschaft am Samstag in Karlsruhe. Die Behörde hatte am Freitag Ermittlungen wegen des Bombenfundes in der Stadt am Rhein bestätigt. Der in Ludwigshafen geborene Bub soll Kontakt zu Islamisten gehabt haben.

Die Behörden sind alarmiert.  SN/APA (dpa)/Markus Prosswitz
Die Behörden sind alarmiert.

Fraglich ist auch, wer genau den noch strafunmündigen Buben bei seiner angeblichen Tat antrieb. Das Magazin "Focus" hatte unter Berufung auf Justiz- und Sicherheitsbehörden berichtet, nach Erkenntnissen der Ermittler sei der deutsch-irakische Bub stark religiös radikalisiert und könnte von einem unbekannten Mitglied der Terrormiliz "Islamischer Staat" angestiftet worden sein. Der Südwestrundfunk berichtete, der Zwölfjährige sei über den Messenger-Dienst Telegram angeleitet worden, die Spur führe zum IS. Dazu äußerte sich die Bundesanwaltschaft bisher nicht.

Der Bub soll laut "Focus" zunächst am 26. November versucht haben, ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu zünden. Später, am 5. Dezember, soll er es dann in einer Tasche in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert haben. Dort wurde es schließlich entdeckt.

Wie gefährlich der Stoffmix genau war, ist ebenfalls unklar. Experten fanden heraus, dass das Material aus Feuerwerkskörpern und Wunderkerzen gewonnen wurde. Nach früheren Polizeiangaben war es brennbar, konnte aber nicht explodieren. Der "Focus" schrieb von einem Rucksack mit selbst gebauter Zündvorrichtung.

Fachleute reagierten auf das Alter des mutmaßlichen Täters wenig überrascht. "Es wäre nicht neu, dass Terrororganisationen versuchen, Kinder zu rekrutieren und zu instrumentalisieren", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der "Passauer Neuen Presse". Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sprach sich dafür aus, die Suche nach potenziellen Tätern im Internet zu intensivieren.

Die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam der Universität Frankfurt, Susanne Schröter, sagte: "Kinder sind überhaupt noch nicht im Fokus von Präventionsmaßnahmen." Schon in der Volksschule müsste aus ihrer Sicht begonnen werden, Widerstandsfähigkeit gegen extremistische Ideologie aufzubauen.

Der Zwölfjährige aus Ludwigshafen befindet sich nach Angaben von Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) an einem sicheren Ort, von ihm gehe keine Gefahr aus. Das rheinland-pfälzische Innenministerium sieht keine neue Sicherheitslage. In der Gesamtschau sei von einer "abstrakten Gefährdung von Weihnachtsmärkten in 2016 in Deutschland aus dem Bereich des islamistischen Terrorismus" auszugehen, teilte ein Sprecher mit. Dem Bundeskriminalamt lägen aber keine Erkenntnisse vor, aus denen sich eine konkrete Gefahr für die Märkte in Deutschland ableiten lasse.

Quelle: Apa/Dpa

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