Weltpolitik

Malis Präsident trifft in Stichwahl auf Oppositionschef

Bei der Präsidentschaftswahl in Mali treffen Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keita und Oppositionschef Soumaila Cisse in einer Stichwahl aufeinander. Keita habe in der ersten Runde am Sonntag 41,4 Prozent der Stimmen erzielt, Cisse 17,8 Prozent, sagte der für Gebietsverwaltung zuständige Minister Mohammed Ag Erlafk im Fernsehsender ORTM unter Berufung auf das vorläufige Endergebnis.

Keita bekam 41,4 Prozent der Stimmen SN/APA (AFP)/ISSOUF SANOGO
Keita bekam 41,4 Prozent der Stimmen

Cisse und der drittplatzierte Kandidat erhoben nach der Ankündigung vom Donnerstagabend Vorwürfe des Wahlbetrugs. Die Stichwahl findet am 12. August statt.

Die internationale Gemeinschaft erhofft sich von der Wahl in dem westafrikanischen Land neue Impulse für den Friedensprozess. Jedoch wurde bereits die erste Runde von gewaltsamen Zwischenfällen überschattet, obwohl mehr als 30.000 Sicherheitskräfte im Einsatz waren.

Die schlechte Sicherheitslage war eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf. Die Opposition wirft Keita Versäumnisse bei der Stabilisierung des Landes vor, in dem jihadistische Rebellengruppen aktiv sind.

Im Kurznachrichtendienst Twitter bedankte sich der 73-jährige Keita bei seinen Wählern und nannte seinen Vorsprung einen "klaren Beweis für euer Vertrauen". Cisse freute sich auf Twitter zwar darüber, dass Keita in der ersten Runde weniger als die Hälfte der Stimmen erhielt und damit die Stichwahl nötig wurde.

Er beklagte jedoch "Betrug" bei der Wahl - ebenso wie der drittplatzierte Geschäftsmann Aliou Diallo, der knapp acht Prozent der Stimmen geholt hatte. Auf Facebook zeigte Diallo sich zwar "weitgehend zufrieden" mit seinem Ergebnis, kündigte aber auch den Gang vor das Verfassungsgericht an. Jeder habe an manchen Orten Wahlbetrug feststellen können, erklärte er. 200.000 Stimmzettel seien etwa für ungültig erklärt und Auszählungsregeln missachtet worden.

Cisse und Diallo gehörten zu 16 von insgesamt 24 Präsidentschaftskandidaten, die irregulär zustande gekommene Ergebnisse nicht anerkennen wollten und zu dem Zweck eine Erklärung unterzeichneten.

Die Wahlbeteiligung lag bei gut 43 Prozent - überdurchschnittlich hoch für Mali. Weniger als ein Drittel der über 15-jährigen Malier kann lesen und schreiben.

Die UNO hatte 2013 eine Blauhelmmission nach Mali entsandt, um das Land zu stabilisieren und eine Machtübernahme durch die Jihadisten zu verhindern. Österreich beteiligt sich mit vier bzw. zehn Soldaten an den Mali-Missionen der UNO (MINUSMA) und der EU (EUTM).

Aufgerufen am 06.12.2021 um 06:23 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/malis-praesident-trifft-in-stichwahl-auf-oppositionschef-37945825

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