Weltpolitik

Mangott: Putins Atomwaffendrohung ernst nehmen

Der Politikwissenschafter Gerhard Mangott hat dazu aufgerufen, die Nuklearwaffen-Drohung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ernst zu nehmen. "Wir müssen diese Aussage ernst nehmen. Selbst wenn sie ein Bluff ist, müssen wir auf eine solche Entwicklung vorbereitet sein", warnte Mangott in einem Interview mit dem Sender "Puls 24" am Mittwoch. In der ZiB Nacht des ORF sagte Mangott, dass Putin trotz politischer Bedenken die Teilmobilmachung angeordnet habe.

Putin hatte Bedenekn gegen Teilmobilmachung SN/APA/AFP/ILYA PITALEV
Putin hatte Bedenekn gegen Teilmobilmachung

Er habe nämlich damit rechnen müssen, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung "sich dann stärker gegen den Krieg ausprägen würde". Durch die militärischen Erfolge der Ukraine habe Putin, so Mangott, erkannt, dass es eine große Schwäche der russischen Armee in der Ukraine sei, dass "die Reihen der russischen Soldaten sehr stark ausgedünnt sind". "Sehr viele sind gefallen, noch mehr sind verwundet und viele haben den Dienst auch quittiert", erklärte Mangott in der ORF-Sendung weiter.

"Durch die Annexion dieser Territorien nach diesen Scheinreferenden ist die Hürde für die ukrainische Seite, weitere territoriale Vorstöße zu machen, höher, weil es eben dann direkt ein Angriff auf russisches Staatsgebiet ist. Russland könnte hier mit Flächenbombardements mit strategischen Bombern bis hin zum Einsatz taktischer Nuklearwaffen alle Arsenale nutzen, die es zur Verfügung hat", sagte Mangott in dem "Puls 24"-Interview weiter.

Die russische Führung könnte dann argumentieren, die Existenz des russischen Staates stehe auf dem Spiel. Dies sei genau die Formulierung, die in der russischen Nukleardoktrin den Einsatz von Atomwaffen gegen eine konventionelle Bedrohung erlauben würde. Dieser Teil von Putins Rede richte sich an die Ukraine. "Es ist ein Signal, dass Russland bis zum Äußersten gehen würde, um diesen Krieg nicht zu verlieren. Putin will und darf diesen Krieg nicht verlieren, denn sonst könnte er auch sein Amt verlieren."

Es sei der Versuch, die Ukraine von weiteren Gegenoffensiven und den Westen von Waffenlieferungen an Kiew abzuschrecken. Ob diese Abschreckung Erfolg habe, sei allerdings fraglich. Es gebe im Westen viele Stimmen, die vor Einschüchterungsversuchen Putins warnten. Russland habe den Krieg noch nicht verloren, könnte aber ohne Truppenverstärkung die eroberten Gebiete in der Ukraine wieder verlieren.

Gegenüber der Münchener "Abendzeitung" sagte Mangott, Frieden werde es nur ohne Putin geben. "Putin will diesen Krieg gewinnen und setzt jedes Mittel dafür ein. Für Friedensverhandlungen ist da einfach kein Platz." Der französische Präsident Emmanuel Macron habe angekündigt, dass er in den nächsten Tagen mit Putin sprechen wolle, "aber er wird nichts erreichen.

Putin ist fest entschlossen, fortzuführen, was er angekündigt hat. Westliche Staaten können nichts tun, aber sie müssen sich überlegen, ob sie sich von dieser Drohung Putins abschrecken lassen und keine zusätzlichen Waffen mehr an die Ukraine liefern oder ab sie standfest bleiben und der Ukraine weiter bei ihrem Verteidigungskrieg helfen. Das werden die nächsten Wochen und Monate weisen."

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