Weltpolitik

Marcos reklamiert Wahlsieg auf Philippinen für sich

Auf den Philippinen hat sich Diktatorensohn Ferdinand "Bongbong" Marcos junior zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. Nach einer inoffiziellen Auszählung von 98 Prozent der Stimmen errang der 64-Jährige bei der Wahl am Montag einen Erdrutschsieg. "Er wird der 17. Präsident der Philippinen sein", verkündete sein Sprecher Victor Rodriquez am Mittwoch in der Hauptstadt Manila. Das offizielle Ergebnis kann aber nur der Kongress aus Senat und Abgeordnetenhaus verkünden.

Der künftige Präsident - Polit-Familienclans prägen die Philippinen SN/APA/AFP/MIKHAEL FLORES
Der künftige Präsident - Polit-Familienclans prägen die Philippinen

Dies wird erst in einigen Wochen erwartet. Allerdings haben von den neun anderen Bewerbern um das höchste Staatsamt des 110-Millionen-Einwohner-Landes die meisten bereits ihre Niederlage eingeräumt. Den inoffiziellen Berechnungen zufolge erhielt Marcos jr. rund 31 Millionen Stimmen. Seine härteste Konkurrentin, Oppositionsführerin Leni Robredo, erreichte demnach nicht einmal die Hälfte. Marcos jr. ließ über seinen Sprecher verkünden, er wolle "Präsident aller Philippiner" sein - auch derjenigen, die ihn nicht gewählt haben.

Das Regime unter dem längst verstorbenen Ferdinand Marcos (1965-1986) und dessen exzentrischer Frau Imelda (heute 92 Jahre alt) hatte über viele Jahre hinweg mit Mord, Kleptokratie und dem spurlosen Verschwindenlassen politischer Gegner von sich reden gemacht. Das Paar soll auch Milliardensummen aus der Staatskasse abgezweigt haben. 1986 wurde die Familie aus dem Inselstaat vertrieben und floh in den US-Staat Hawaii. Nach dem Tod des Diktators 1989 kehrte sie Anfang der 1990er auf die Philippinen zurück.

Am Mittwoch besuchte Marcos jr. das Grab seines Vaters auf dem "Heldenfriedhof" in Manila, wo Ferdinand Marcos 2016 bestattet worden war. "Bongbong" hat sich nie öffentlich vom früheren Regime distanziert. Im Wahlkampf verklärte er es zu einer Zeit des Wohlstands. Sein Sprecher Rodriguez zitierte ihn jetzt mit den Worten: "Beurteilt mich nicht nach meinen Vorfahren, sondern nach meinen Taten."

Der wahrscheinliche Wahlsieg von Marcos jr. löste teils Wut und Proteste aus. Hunderte Menschen gingen am Dienstag vor dem Gebäude der Wahlkommission auf die Straße und warfen der Behörde Wahlbetrug vor. Bei der Abstimmung hatten Berichten zufolge Tausende Bürger wegen defekter Zählmaschinen nicht wählen konnten.

Die Gegner des Diktatorensohnes sind bestürzt, dass die berüchtigte Familie 36 nach ihrer Vertreibung aus dem Inselstaat bald wieder in den Malacañang-Palast in der Hauptstadt Manila einziehen darf. Hinzu kommt: Den Berechnungen zufolge wird Sara Duterte-Carpio Vizepräsidentin. Sie ist die Tochter des scheidenden Präsidenten Rodrigo Duterte, der wegen seines harten, menschenrechtlich mehr als bedenklichen Kampfes gegen Drogenkriminalität international am Pranger steht. Unter seiner Führung sollen in den vergangenen sechs Jahren Tausende Menschen von Todeskommandos ermordet worden sein.

"Bongbong" und Duterte-Carpio kandidierten quasi als Duo, obwohl die beiden Ämter auf den Philippinen unabhängig voneinander gewählt und vergeben werden. Ihre einflussreichen Familien gelten als eng verbandelt. "Die beiden repräsentieren die schlimmste Art traditioneller Politik und Regierungsführung in der Geschichte unserer Nation", teilte die Menschenrechtsgruppe Karapatan mit. "Wir fordern daher das philippinische Volk auf, das notorische Tandem entschieden abzulehnen und sich gegen eine mögliche weitere Unterdrückung und Verletzung der Bürgerrechte zu stellen."

"Bongbong" Marcos hatte in seinem Wahlkampf das Regime seines Vaters aber zu einem "Goldenen Zeitalter" des Wohlstands verklärt. Kritiker sprachen von einer "Desinformationskampagne", die er vor allem über soziale Netzwerke wie TikTok und YouTube führte, wo er Millionen Follower hat. Damit konnte er vor allem junge Wähler gewinnen, die keine Erinnerung an die Zeit des Kriegsrechts haben.

Politische Beobachter halten Marcos Jr. aber für weniger repressiv. "Er ist irgendwie entspannt. Ich glaube nicht, dass er autoritär ist", sagte der Analyst Tony La Vina der Deutschen Presse-Agentur. "Ich denke, Marcos Jr. will gefallen, er will keinen Ärger und wird Schwierigkeiten vermeiden." Das bedeute aber auch, dass er möglicherweise keine schwierigen Entscheidungen treffen wolle.

Andere glauben, dass "BBM" (wie sich Marcos selber nennt) keinen Plan hat, wie er seine ambitionierten Wahlversprechen einlösen soll. "Billiger Reis, billiges Benzin, Arbeitsplätze, Infrastruktur, Frieden und Ordnung - wie will er das machen?", fragte der Politikwissenschaftler Aries Arugay. Einziges Ziel der Kampagne sei es gewesen, mittels "gigantischer Versprechen" den Sieg davonzutragen. "Aber es gibt keinen Plan. Es scheint, dass sie jetzt nur improvisieren können."

Auf den Philippinen leben viele in bitterer Armut. Weil frühere Regierungen kaum etwas an der desaströsen Lage geändert haben, kamen die Wahlversprechen von Marcos jr. gut an. Experten befürchten, dass auch der neue Präsident keinen Wandel bringen wird.

Amnesty International forderte am Dienstag, dass die neue Regierung speziell mit Blick auf die Menschenrechte aber "eine dramatische Kurskorrektur vornehmen und sich von den letzten sechs Jahren unter Rodrigo Duterte lösen sollte". Die Organisation zeigte sich aber pessimistisch, dass dies geschehen werde.

Viele Mitglieder der Marcos-Familie - darunter Imelda und Marcos jr. - haben seit der Rückkehr aus dem Exil immer wieder politische Ämter bekleidet. Experten sagen, die Familie habe sich in all der Zeit nur darauf vorbereitet, wieder an die Macht zu kommen.

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