Weltpolitik

Mazedonien will so rasch wie möglich in die EU

Nach der Beilegung des Namenstreits mit Griechenland will Mazedonien so schnell wie möglich in die EU. Trotz der gegenwärtigen Krise habe sein Land "Vertrauen in die EU über die Grenzen des Himmels hinaus", sagte Premier Zoran Zaev am Mittwoch bei einem Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Wien. "Großbritannien hat vielleicht einen Platz für uns freigemacht in der EU", sagte er.

Mazedonischer Premier Zaev setzt Hoffnung auf Österreich SN/APA/ROBERT JAEGER
Mazedonischer Premier Zaev setzt Hoffnung auf Österreich

Die Mazedonier würden "mehr an die Werte der EU glauben als manche Bürger innerhalb der Europäischen Union", meinte Zaev. Deshalb habe das Land zur Lösung des Namensstreits sogar seinen Staatsnamen in der Verfassung geändert und werde bald Republik Nordmazedonien heißen. Im Juni dieses Jahres erhoffe er sich daher starke Argumente im EU-Rat, warum Mazedonien bald Mitglied der EU werden solle, so der mazedonische Regierungschef.

Kurz gratulierte Mazedonien "zu dem historischen Schritt für Mazedonien aber auch für die gesamte Region". Als "Dank und Anerkennung" überreichte er Zaev die Alois-Mock-Medaille. Ein konkretes Datum für einen möglichen EU-Beitritt Mazedoniens wollte Kurz nicht nennen. Das sei "nicht sinnvoll", denn es von hänge immer von der Erfüllung der Kriterien und den Fortschritten der einzelnen Westbalkanstaaten ab, sagte der Bundeskanzler.

Aber er erlebe in Mazedonien einen "starken Willen den Weg Richtung Europäische Union einzuschlagen und dass Ergebnisse erzielt werden". Die Lösung des Namensstreits sei "ein historischer Schritt und der sollte anerkannt werden". Daher glaube er, dass sich die Stimmung in der Europäischen Union in Bezug auf Mazedonien sehr positiv entwickelt habe, so Kurz.

Zaev dankte seinerseits Österreich für die Unterstützung und lobte auch die guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Österreich gehöre zu den größten Auslandinvestoren im Land und der Außenhandel mit Österreich sei im vergangene Jahr um 60 Prozent gestiegen. Angesprochen auf die Spaltung seines Landes über die Frage der Änderung des Staatsnamens, meinte der sozialdemokratische Premier, dass der Prozess zu Versöhnung begonnen habe. Seine Regierung habe den Dialog mit der nationalkonservativen Opposition gesucht und versuche die nationalistischen Gefühle zu beruhigen. "Wie meine politische Zukunft aussehen wird, weiß ich nicht", sagte er, auch nicht wie die politische Zukunft des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras aussehen werde, "aber ich weiß unser Land wird eine gute Zukunft haben". Denn es gebe keine Alternative zur NATO und zur EU.

Mazedonien ist seit 2005 offizieller EU-Beitrittskandidat, allerdings wurde die EU-Annäherung wegen des Namensstreits mit Griechenland jahrelang von Athen blockiert. Nachdem das griechische Parlament am vergangenen Freitag das Abkommen zwischen Athen und Skopje zur Beilegung des Streits gebilligt hat, ist der weitere Weg Richtung EU und NATO theoretisch frei. Die Vereinbarung zum Namensstreit sieht vor, dass das Land künftig Nordmazedonien heißt. Dies war von Griechenland gefordert worden, weil auch eine nordgriechische Region Mazedonien bzw. Makedonien heißt.

Quelle: APA

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