Weltpolitik

Mehr als 1.700 Festnahmen bei Protesten in Frankreich

Bei den neuen Protesten der "Gelbwesten" in Frankreich sind nach Angaben der Regierung mehr als 1.700 Menschen festgenommen worden. Insgesamt habe es landesweit 1.723 vorläufige Festnahmen gegeben, teilte das Innenministerium in Paris am Sonntag mit. Allein in der Hauptstadt setzte die Polizei laut Präfektur 1.082 Protestteilnehmer vorläufig fest.

Für 1.220 der Betroffenen wurde anschließend eine Ingewahrsamnahme angeordnet. In Frankreich können Betroffene bis zu 48 Stunden auch ohne richterlichen Beschluss in Gewahrsam genommen werden, bei schweren Verbrechen bis zu vier Tage bei Terrorismus bis zu sechs Tage.

Bei den Protesten war es am Samstag erneut zu Ausschreitungen gekommen. 264 Menschen wurden den Angaben zufolge landesweit verletzt, darunter 39 Sicherheitskräfte. Im ganzen Land gingen zum Auftakt des vierten Protestwochenendes gegen steigende Lebenshaltungskosten und die Politik von Präsident Emmanuel Macron nach Angaben des Ministeriums rund 136.000 Menschen auf die Straße.

Die meiste Gewalt gab es in der Hauptstadt Paris. Dort zündeten Demonstranten Barrikaden und Autos an, schlugen Fensterscheiben ein und lieferten sich Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten ein.

Wie reagiert "Schweige-Präsident" Macron?

Nach den erneuten "Gelbwesten"-Protesten mit Krawallen in mehreren Städten sucht Frankreich nach einem Ausweg aus der Krise. Mit Spannung wartet das Land auf eine Reaktion von Präsident Emmanuel Macron. Der 40-Jährige hielt sich bisher mit Äußerungen zu den Demonstrationen auffällig zurück. Premierminister Édouard Philippe rief das Land am Samstagabend zu Dialogbereitschaft auf - und kündigte Antworten Macrons an.

Der Staatschef steht nach den andauernden Protesten der "Gelbwesten" massiv unter Druck. Seine Mitte-Regierung legte als Zugeständnis bereits die geplante Steuererhöhung für Benzin und Diesel auf Eis. Die Wut der Protestbewegung hatte sich einst an diesem Vorhaben entzündet - mittlerweile reichen die Forderungen viel weiter: von mehr Steuergerechtigkeit über mehr Kaufkraft bis hin zum Rücktritt Macrons.

Am Samstag eskalierten die Demonstrationen in Paris und anderen französischen Städten erneut. Es war bereits das vierte Wochenende in Folge, an dem die Bewegung der "Gelben Westen" in Frankreich massiv auf die Straße ging.

Landesweit beteiligten sich nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner bis zum Abend rund 125.000 Menschen an den Protesten, davon 10.000 in Paris. Im ganzen Land wurden Hunderte Menschen festgenommen, viele von ihnen kamen in Gewahrsam. Auch in Belgien kam es zu Ausschreitungen mit mehreren Hundert Festnahmen.

Das Aufgebot an Polizisten und anderen Ordnungskräften war in Frankreich im Vergleich zur Vorwoche deutlich aufgestockt worden: auf 8000 Männer und Frauen allein in der Hauptstadt. Vergangenen Samstag hatte es in Paris ebenfalls Krawalle gegeben - die Zerstörungen etwa an Geschäften fielen nach Einschätzung von Beobachtern dabei aber gravierender aus.

Vertreter der "Gelbwesten" hatten im Vorfeld Macron aufgefordert, Lösungen zu präsentieren. Es sei jetzt an ihm, sich so schnell wie möglich zu äußern - "mit dem Herzen (und) mit Emotion", sagte Benjamin Cauchy, der am Freitag an einem Treffen mit Premier Philippe teilgenommen hatte. Macron sei es, "der den Schlüssel für dieses Schloss in der Hand hat", sagte ein anderer Teilnehmer.

Quelle: Apa/Ag.

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