Weltpolitik

Mehr als 300.000 Flüchtlinge übers Mittelmeer gekommen

Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Vereinten Nationen bisher mehr als 300.000 Flüchtlinge und Einwanderer über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Dies sind deutlich weniger als die 520.000 Menschen, die in den ersten neun Monaten 2015 in die EU kamen, wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat am Dienstag mitteilte.

Mehr als 300.000 Flüchtlinge übers Mittelmeer gekommen SN/APA (AFP)/PHILIPPE HUGUEN
Calais ist ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise.

Bisher starben demnach 3.211 Flüchtlinge bei dem Versuch, über das Meer Europa zu erreichen. Im gesamten Jahr 2015 ertranken 3.771 Flüchtlinge im Mittelmeer. Damit drohe 2016 "zum tödlichsten Jahr im Mittelmeer" zu werden, sagte UNHCR-Sprecher William Spindler.

Die Flüchtlingssituation in Italien und Griechenland - den beiden wichtigsten europäischen Erstaufnahmeländern - entwickle sich derzeit sehr unterschiedlich, sagte der UNHCR-Sprecher. Wahrend in Italien etwa gleich viele Flüchtlinge ankommen wie im Vorjahr, seien es in Griechenland deutlich weniger als 2015. Ein Grund ist der Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei, von wo zuvor die meisten Flüchtlinge nach Griechenland gelangten.

Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat zeigte sich über die Lage in Griechenland und Italien besorgt. Während sich auf den griechischen Inseln rund 60.000 Flüchtlinge aufhalten, leben in Italien knapp 160.000 Migranten in Aufnahmelagern. Das UNHCR forderte eine Verteilung der Flüchtlinge in Europa.

Die Zahl der Bewohner des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais hat unterdessen nach Angaben von Hilfsorganisationen die 10.000er-Marke überschritten. Mitte September seien genau 10.088 Flüchtlinge in dem auch als "Dschungel" bekannten Lager am Ärmelkanal gezählt worden, erklärten zwei Organisationen. Das seien rund 1.000 Flüchtlinge mehr als einen Monat zuvor.

Die Behörden weisen Zahlen von Hilfsorganisationen zu den Flüchtlingen in Calais regelmäßig als übertrieben zurück. Die zuständige Präfektur hatte Mitte August rund 6.900 Flüchtlinge in dem Lager gezählt, Hilfsorganisationen sprachen dagegen von gut 9.000.

Calais ist schon seit Jahren ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Europa. Die meisten der Bewohner des wegen seiner schlechten hygienischen Zustände berüchtigten Flüchtlingslagers hoffen, auf Fähren über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel heimlich nach Großbritannien zu gelangen. Sowohl der Hafen als auch der Zugang zum Eurotunnel wurden aber seit vergangenem Jahr mit neuen Barrikaden abgesichert.

Immer wieder blockieren Flüchtlinge mit Baumstämmen und anderen Gegenständen die Zufahrtsstraße zum Hafen, um Lastwagenfahrer zum Bremsen zu zwingen und dann an Bord der Lkw versteckt auf Fähren zu gelangen. Um Flüchtlinge daran zu hindern, auf die Zufahrtsstraße zu kommen, haben Bauarbeiter am Dienstag mit der Errichtung einer Mauer begonnen.

Quelle: Apa/Ag.

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