Weltpolitik

Mehrere Tote bei russischen Angriffen im Süden und Osten

Die russischen Truppen haben am Sonntag ihre Angriffe auf den Osten und Süden der Ukraine fortgesetzt. Ziel war auch die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer. Aus dem Verteidigungsministerium in Moskau hieß es, von Schiffen und Flugzeugen aus seien eine Ölraffinerie und drei Treibstofflager bei Odessa beschossen worden. Beim Beschuss der Millionenstadt Charkiw im Osten des Landes gab es regionalen Behörden zufolge sieben Tote.

Dunkle Rauchschwaden über der Stadt Odessa SN/APA/AFP/BULENT KILIC
Dunkle Rauchschwaden über der Stadt Odessa

Die zweitgrößte Stadt des Landes, Charkiw, war von den Invasoren schon weitgehend zerstört worden. Justizangaben zufolge kamen dort sieben Menschen durch Artilleriebeschuss ums Leben. Der Gouverneur von Charkiw hatte zuvor von "einigen" Toten und 23 Verletzten gesprochen. Bei einem russischen Angriff auf ein Krankenhaus im östlichen Rubischne starb ein Mensch, drei weitere seien verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Serhij Gajdaj, am Abend mit.

Auch in der südukrainischen Stadt Mykolajiw starb ein Mensch bei einem russischen Angriff. 14 weitere Menschen seien verletzt worden, darunter ein 15-Jähriger, teilte der Gouverneur Vitali Kim auf Telegram mit. Auch in der Schwarzmeerstadt Otschakiw habe es einen Bombenangriff gegeben, fügte er hinzu. Dort habe es ebenfalls Tote und Verletzte gegeben, die genaue Zahl sei unklar.

Ziel eines Luftangriffs war zuvor auch die Millionenstadt Odessa gewesen. Wie der Stadtrat mitteilte, kam es daraufhin zu Bränden in mehreren Stadtteilen. Auf Fotos war Rauch über Odessa zu sehen. Dem Stadtrat zufolge wurden einige Raketen von der Luftabwehr abgefangen.

Am Sonntagnachmittag berichtete die ukrainische Regierung, dass eine russische Rakete auch in der Stadt Wassylkiw bei Kiew eingeschlagen habe. Das regionale Regierungsgebäude sei getroffen worden, es habe einige Verletzte gegeben, hieß es.

Die Angriffe in Mykolajiw und Wassylkiw wurden am Abend auch vom Verteidigungsministerium in Moskau bestätigt. Es sei auch ein Treibstofflager im nordwestlichen Riwne mit Raketen attackiert worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Nach ukrainischen Militärangaben gingen die Kämpfe auch im Osten weiter. Die Beschuss von Städten im Gebiet Luhansk dauere an. Es gebe Kämpfe bei Popasna und Rubischne.

Indes berichtete der Bürgermeister der nordukrainischen Stadt Tschernihiw von einer Zerstörung zu 70 Prozent. Die Folgen der russischen Angriffe seien schwerwiegend, "wie in Butscha und Charkiw, und vielleicht sogar wie in Mariupol", sagte Wladyslaw Atroschenko am Sonntag nach Angaben der Zeitung "Ukrainska Prawda" im Einheitsprogramm des ukrainischen Fernsehens. Das Stadtbild Tschernihiws ist durch zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Klöster geprägt. Die Ukraine strebte für das Zentrum den Status als Weltkulturerbe an. Vor dem Krieg zählte die Stadt mehr als 285 000 Einwohner.

Indes meldete Russland neuerlich eine Explosion auf seinem Territorium. "Es gab einen Knall, Trümmer fielen auf den Boden", schrieb der Verwaltungschef des Stadtbezirks Jakowlewski, Oleg Medwedew, am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Es habe keine Verletzten gegeben. Erst vor wenigen Tagen hatte es nahe der Stadt Belgorod einen Angriff auf ein Öllager gegeben, der nach russischer Darstellung von ukrainischen Kampfhubschraubern verübt worden sein soll.

Nach russischen Angaben wurden in der Nacht auf Sonntag in der Ukraine insgesamt 51 Militäreinrichtungen getroffen, darunter vier Kommandoposten und zwei Raketenabwehrsysteme. Diese Angaben ließen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Moskau behauptet, nur militärische Ziele im Nachbarland anzugreifen. Dagegen wirft die Ukraine Russland vor, auch zivile Infrastruktur und Wohngebiete unter Beschuss zu nehmen.

2.694 Menschen gelang nach ukrainischen Angaben am Sonntag die Flucht aus umkämpften Städten. In der umkämpften und inzwischen auch schwer beschädigten Stadt Mariupol halten sich nach Schätzungen noch etwa 100.000 Einwohner auf. In den vergangenen Tagen hatte es schon mehrere Versuche gegeben, Mariupol zu erreichen.

Russland warf der Ukraine am Sonntagabend einmal mehr fehlende Kooperation bei der Evakuierung vor. Knapp 2000 Menschen hätten zwar in den vergangenen 24 Stunden selbstständig aus Mariupol flüchten können, teilte das russische Verteidigungsministerium am Sonntagabend mit. Hilfskonvois aber wären wegen ukrainischem Beschuss nicht in die Stadt am Asowschen Meer durchgekommen. Für Montag hätten die russischen Truppen auf Vermittlung der Türkei hin einem weiteren Evakuierungsversuch zugestimmt. Insgesamt seien seit Kriegsbeginn eine halbe Million Menschen aus verschiedenen Landesteilen nach Russland gebracht worden. Die Ukraine spricht diesbezüglich von Verschleppungen.

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