Weltpolitik

Migranten aus Libyen erreichten Malta und Italien

Dutzende Migranten aus Libyen haben Italien und Malta erreicht. Das maltesische Militär rettete nach eigenen Angaben 75 Menschen, die an einer Thunfisch-Fangstation gefunden wurden, und brachte sie am Donnerstag an Land. Auf der italienischen Insel Lampedusa kamen am Mittwochabend 66 Migranten an.

46 von ihnen war die gefährliche Überfahrt auf einem zehn Meter langen Holzboot gelungen, mit dem sie am Montag in Libyen losgefahren waren, wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) auf Twitter erklärte. Die italienische Marine rettete etwa 90 Migranten von einem überfüllten Schlauchboot. Sie sollen nach Genua gebracht werden, erklärte das Innenministerium in Rom.

"In den nächsten Monaten werden wieder Tausende Menschen versuchen, der Hölle Libyens zu entfliehen", warnte die deutsche Kapitänin Pia Klemp, die die beiden zivilen Rettungsschiffe "Iuventa" und "Sea-Watch 3" gesteuert hatte. "Der Seeweg ist ihre einzige Chance. Wenn jetzt nicht sofort was passiert, dann werden wir in wenigen Monaten wieder auf Tausende Tote blicken."

Klemp war am Mittwochabend in einer 15-minütigen Fernsehshow der Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auf ProSieben aufgetreten. Sie erzählte nicht nur von einem zweijährigen Burschen, dessen Leiche die Seenotretter in einer Tiefkühltruhe aufbewahren mussten. Sie erhob auch schwere Vorwürfe gegen die EU: Sie lasse Migranten wissentlich ertrinken, mache Flüchtlinge zu Illegalen, blockiere die zivile Seenotrettung und finanziere "libysche Milizen, die in unserem Namen Menschen in ein Bürgerkriegsland verschleppen, wo ihnen Vergewaltigung, Folter und der Tod drohen".

Die zivile Seenotrettung ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Seit einem Jahr hat die italienische Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung Schiffen von Hilfsorganisationen mehrfach verweigert, in Italien anzulegen. Seitdem kommen deutlich weniger Migranten an.

Allerdings erklärte sich Italien auch erneut bereit, über humanitäre Korridore Migranten aus Libyen aufzunehmen. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk brachte nun 149 Asylbewerber aus Tripolis nach Rom. Viele der Menschen aus Eritrea, Somalia, Sudan und Äthiopien bräuchten medizinische Hilfe und seien unterernährt, teilte UNHCR mit. Unter den Migranten sind 65 Minderjährige, darunter 13 Kinder unter einem Jahr.

Quelle: Apa/Dpa

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