Weltpolitik

Migrationsexperte für Schutzzentren in ganz Afrika

Der Migrationsexperte Belachew Gebrewold ist in der Diskussion um eine Schließung der Mittelmeerroute für die Errichtung von Schutzzentren für Flüchtlinge in ganz Afrika. Wie der Professor für internationale Beziehungen mit Forschungsschwerpunkt internationale Migration in Innsbruck gegenüber der APA sagte, soll Europa Libyen auch dabei unterstützen, die Küste des Landes besser zu überwachen.

"Die Diskussion um die Mittelmeerroute geht momentan in zwei krasse Richtungen: Einerseits gibt es Stimmen, dass man die Route komplett schließen will ohne sich um die Ursachen zu kümmern, andererseits gibt es solche, die gar nichts tun wollen. Beides ist nicht zielführend", sagt Gebrewold. Fakt sei, dass viele Menschen in Afrika durch bewaffnete Konflikte oder radikale Gruppen in akuter Lebensgefahr seien - aber auch, dass viele junge Männer ihre Heimatländer verlassen wollen, um sich wirtschaftlich zu verbessern.

"Hinzu kommen dann die Schlepper, die ein Geschäft daraus gemacht haben, die desolate und hoffnungslose Situation der Menschen auszunutzen", erklärt der Migrationsexperte an der Universität Innsbruck und dem Management Center Innsbruck (MCI). Sie seien es dann auch, die den Leuten von einem Leben in Europa vorschwärmen würden: "Die Situation vor Ort ist dann aber natürlich anders. Viele müssen erfahren, dass sie es in Europa ohne Job und ohne Wohnung nicht besser haben als in ihrem Heimatland. Diese Wirklichkeit sollte man auch kommunizieren", so Gebrewold.

Um die Schleppern zu fassen, sei eine verstärkte Überwachung notwendig: "Auch, wenn es nicht einfach ist, muss man versuchen, hier mit nordafrikanischen Staaten, wie Libyen, zusammenzuarbeiten, Strukturen aufzubauen." Nicht richtig findet Gebrewold in diesem Zusammenhang, dass verschiedenen NGOs im Mittelmeer vorgeworfen wird, selbst als "Schlepper" zu fungieren: "Sie sind im Rettungseinsatz unterwegs und machen eine gute Arbeit, wenn sie helfen. Allerdings kann es dazu führen, dass ihre Tätigkeit teilweise Schlepper ermuntert, die Arbeit der Retter auszunutzen."

Was die Flüchtlinge angeht, die Schutz brauchen, ist Gebrewold dafür, eine Möglichkeit der legalen Einwanderung zu schaffen. "Das heißt aber nicht, dass man erst warten muss, bis die Flüchtlinge alle in Libyen sind", präzisiert der Experte. Als Beispiel bringt er Uganda ins Spiel: "Uganda leistet Großartiges. Als Nachbar vom Südsudan erklärt man sich bereit, den Leuten zu helfen, die vor dem Krieg fliehen."

Wie hier könnte es in der Nähe von Konfliktgebieten am ganzen Kontinent solche regionalen Schutzzentren geben. Entweder, die Flüchtlinge würden dann von dem jeweiligen Nachbarstaat aufgenommen, oder sie könnten bei Kapazitätsproblemen nach Europa gebracht werden, wo man sie auf verschiedene Länder verteilen könnte. Gebrewolds Fazit: "Die Mittelmeerroute zu schließen und allein den Fokus auf Libyen zu richten, ist organisatorisch viel komplexer, als mit Nachbarstaaten zu reden und regionale Schutzzentren zu organisieren."

Unterdessen wurde bekannt, dass bei drei Flüchtlingsunglücken im Mittelmeer in den vergangenen Tagen vermutlich mehr Menschen umgekommen sind als zunächst angenommen. Zusätzlich zu einem Unglück mit wahrscheinlich 129 Toten sei ein Boot mit 85 Menschen an Bord in zwei Teile gebrochen und untergegangen, teilte die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR am Dienstag mit.

Auf dem Schiff, das letzte Woche in Libyen abgelegt habe, seien viele Familien mit Kindern gewesen. Allerdings wisse man nicht, ob einige der Vermissten eventuell gerettet oder nach Libyen zurückgebracht worden seien, sagte eine Sprecherin. Dort seien Tote am Strand angespült worden.

Nach einem dritten Vorfall seien zudem sieben Menschen gestorben oder werden vermisst. Auch dieses Schiff sei vergangene Woche in Libyen losgefahren.

Quelle: APA

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