Weltpolitik

Milliardär Bloomberg macht Trump nervös

Der frühere New Yorker Bürgermeister steigt erst jetzt richtig in das Kandidatenrennen der Demokraten ein. Er könnte dank seiner schier unermesslichen Wahlkampfmittel für Präsident Donald Trump zu einem unbequemen Herausforderer werden.

Geld macht Politik: Der Milliardär Michael Bloomberg forciert seine Wahlkampagne. Er will als Kandidat der Demokraten den republikanischen Präsidenten Donald Trump besiegen. SN/APA/AFP/OLIVIER DOULIERY
Geld macht Politik: Der Milliardär Michael Bloomberg forciert seine Wahlkampagne. Er will als Kandidat der Demokraten den republikanischen Präsidenten Donald Trump besiegen.

Wahlkämpfe in den USA sind eine kostspielige Angelegenheit. In diesem Wahlkampf hat es der republikanische Präsident Donald Trump mit einem möglichen demokratischen Herausforderer zu tun, für den Geld keine Rolle spielt: Michael Bloomberg. Der frühere New Yorker Bürgermeister steigt erst jetzt mit der Beteiligung an einer TV-Debatte in das Kandidatenrennen der Demokraten. Und bringt damit politischen Pfeffer in das Bewerberfeld der Demokratischen Partei.

Trump versteht sich als Amtsinhaber gut darauf, Spenden zu sammeln, und liegt hier vor allen demokratischen Präsidentschaftsbewerbern. Bisher hat seine Kampagne mehr als 200 Millionen Dollar zusammengetragen. Bloomberg allerdings bemüht sich gar nicht erst um Spenden. Der Milliardär setzt allein sein eigenes riesiges Vermögen für den Wahlkampf ein. Das ist selbst für Trump ein Problem.

Bloomberg ist einer der reichsten Menschen der Welt. Der Demokrat, der einst das nach ihm benannte Finanz- und Medienunternehmen gründete, hat enorme Geldsummen angehäuft: Sein Vermögen wird auf fast 63 Milliarden Dollar geschätzt.

Allein in den ersten paar Wochen seiner Kampagne, zwischen Ende November und Ende Dezember, pumpte Bloomberg 188 Millionen Dollar in seinen Wahlkampf. Inzwischen hat er laut einem Bericht der "New York Times" rund 400 Millionen Dollar ausgegeben, zig Millionen davon für teure Wahl-Werbeclips im Fernsehen.

Dazu kommt ein digitaler Wahlkampf in den sozialen Medien, wo reichweitenstarke Accounts und Influencer gegen Geld lustige "Memes" zu Bloomberg verbreiten und für den Demokraten werben.

In US-Medienberichten heißt es, Bloomberg locke Mitarbeiter für seine Kampagne mit üppigen Gehältern, schicken Handys und Laptops, freien Mahlzeiten und derlei. Bei Wahlkampfveranstaltungen des Milliardärs würden bisweilen Essen und Drinks gereicht - alles Dinge, die es bei anderen Präsidentschaftsbewerbern nicht gibt. Bloombergs Kampagne hält sich zu solchen Fragen bedeckt.

Bloomberg ist erst Ende November und damit sehr spät in das Rennen seiner Partei eingestiegen. Die parteiinterne Konkurrenz hatte da schon monatelang Wahlkampf gemacht. Doch Bloomberg betreibt - mit Hilfe seines Geldes - eine eigenwillige Strategie: Er bestreitet weniger öffentliche Wahlkampfauftritte als seine parteiinternen Konkurrenten; dank der massiven Fernseh-Werbung ist er trotzdem sehr präsent. Die ersten paar kleinen Staaten der Vorwahlen hat er gleich ganz ausgelassen im Wahlkampf, er setzt stattdessen alle Kraft auf den "Super Tuesday", an dem in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten Vorwahlen anstehen - darunter in großen Staaten wie Kalifornien oder Texas, wo gleich Hunderte Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag der Demokraten im Sommer vergeben werden.

Mit dieser Taktik hat sich Bloomberg in nationalen Umfragen in kürzester Zeit auf den zweiten Platz vorgearbeitet - hinter dem linken Senator Bernie Sanders und vor Ex-Vizepräsident Joe Biden.

Eine Rolle spielen dabei nicht nur Bloombergs aktuelle Investitionen. Er hat über Jahre hinweg Unsummen gespendet für alle möglichen Gesellschaftsbereiche und sich damit viele Freunde gemacht - oder zumindest loyale Fürsprecher. Vor allem hat er aber auch der Demokratischen Partei in der Vergangenheit finanziell sehr unter die Arme gegriffen - und vielen Demokraten in Wahlkämpfen, die nun öffentlich ihre Unterstützung für ihn erklären. Geld schafft Verbundenheit, manche nennen es Abhängigkeit.

Die aktuellen Wahlkampf-Ausgaben schmerzen Bloomberg ohnehin nicht sehr. Die "Washington Post" rechnete vor, allein seit Bloombergs Einstieg ins Rennen Ende November habe sich sein Vermögen um mehr als acht Milliarden US-Dollar vergrößert - also um mehr als 100 Millionen US-Dollar am Tag. Die bisherigen Wahlkampfausgaben sind nach dieser Rechnung also weniger als das, was Bloomberg binnen einer Woche verdient. Seine finanziellen Ressourcen scheinen schier endlos.

Den Präsidenten jedenfalls scheint das nervös zu machen. Trump und Bloomberg verbindet eine lange Rivalität. In den vergangenen Wochen griff der Präsident den Demokraten allerdings auffallend oft öffentlich an und verspottete ihn als "Mini Mike". Derartige Aufmerksamkeit Trumps wird nicht jedem zuteil.

Aber kann das ganze Geld Bloomberg tatsächlich zur Nominierung verhelfen? Das Rennen der Demokraten ist hart umkämpft. Bloomberg muss auch mit Inhalten und seiner öffentlichen Performance punkten. Und derzeit holt ihn seine Vergangenheit ein: Sexismus-Vorwürfe aus seiner Zeit als Geschäftsmann, Rassismus-Vorwürfe aus seiner Zeit als New Yorker Bürgermeister.

Linksgerichtete Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, wie die Senatoren Bernie Sanders oder Elizabeth Warren, prangern regelmäßig den Einfluss wohlhabender Spender auf die Wahl an - oder beklagen mit Blick auf Bloomberg, es könne nicht sein, dass ein schwerreicher Kandidat die Wahl kaufe. Sanders selbst ist beim Spendensammeln sehr erfolgreich, ohne dass er Geld von Großspendern annimmt. Er liegt weit vorne bei der Zahl der Einzelspenden, weil Anhänger ihm in großen Scharen kleine Beträge geben und so seine Wahlkampfkasse füllen. Zehn Millionen Dollar wie Trump macht er damit an einem Abend jedoch nicht.

Quelle: SN

Aufgerufen am 26.01.2021 um 07:37 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/milliardaer-bloomberg-macht-trump-nervoes-83676049

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