Weltpolitik

Mindestens 25 Tote bei Luftangriff im Nordwesten Syriens

Bei einem Luftangriff auf die radikalislamische syrische Rebellengruppe Fateh al-Sham sind vermutlich mindestens 25 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch Führungsmitglieder der Gruppe, die früher mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet war, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Unterdessen hängt die Waffenruhe in Syrien am seidenen Faden.

Weiter kein Frieden in Syrien. SN/AP
Weiter kein Frieden in Syrien.

Der Luftangriff habe sich in der nordwestsyrischen Provinz Idlib ereignet. Wer den Angriff geflogen habe, sei unklar, teilte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle mit. In der Vergangenheit hatten sowohl die US-geführte Koalition als auch Russland die radikalislamische Gruppierung aus der Luft angegriffen. Die Angaben der Beobachtungsstelle ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

In Syrien war am Samstag eine Waffenruhe zwischen Regierung und einigen Rebellengruppen in Kraft getreten, an der sich die Fateh al-Sham aber nicht beteiligte. Wegen anhaltender Kämpfe schien am Dienstag der Fortbestand dieser Waffenruhe fraglich. Rebellengruppen haben zuletzt der Regierungsarmee einen Bruch des Waffenstillstands vorgeworfen und die Gespräche über neue Friedensverhandlungen abgebrochen.

Die Aufständischen veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Entscheidung mit "anhaltenden Verstößen" der Staatsführung gegen die von Russland und der Türkei vermittelte Kampfpause begründeten. Im Großraum Damaskus sowie in den Provinzen Idlib und Hama wurde am Dienstag Aktivisten zufolge erneut gekämpft.

Rund ein Dutzend Rebellengruppen zogen sich nun vom Verhandlungstisch zurück. Sie drohten damit, das Abkommen für eine Waffenruhe und anschließende Friedensgespräche aufzukündigen, falls die Armee ihre Angriffe nicht einstellt. Bisher war vorgesehen, dass sich Regierung und Rebellen Ende Jänner zu Gesprächen in Kasachstans Hauptstadt Astana treffen. Als Vermittler treten Russland, die Türkei und der Iran auf, auch wenn Ankara anders als die beiden anderen Länder die Aufständischen unterstützt.

Die Feuerpause war in der Nacht auf Freitag in Kraft getreten und funktionierte bisher in weiten Teilen Syriens. Die Rebellen erklärten, ihre Kämpfer hätten sich an die Vereinbarungen gehalten, die syrische Armee habe ihre Angriffe jedoch fortgesetzt, vor allem in den Rebellengebieten Wadi Barada und Ost-Ghuta nahe Damaskus. Deswegen würden "alle Gespräche in Bezug auf die Verhandlungen von Astana eingefroren".

Durch die anhaltenden Angriffe werde das "Leben Hunderttausender Menschen bedroht", erklärten die Rebellen. Sollten die Attacken nicht gestoppt werden, müsse die vereinbarte Waffenruhe "als null und nichtig" betrachtet werden. Die Erklärung wurde unter anderem von den Islamistengruppen Jaish al-Islam, Failak al-Rahman, der von Ankara unterstützten Rebellenorganisation Sultan Murad sowie der Gruppe Jaish al-Issa unterzeichnet.

Durch das Barada-Tal (Wadi Barada) fließt der Barada-Fluss in die syrische Hauptstadt, er ist eine der wichtigsten Quellen für die Wasserversorgung. Die Regierung wirft den Rebellen vor, der Hauptstadt das Wasser abzudrehen beziehungsweise es durch Treibstoff zu verunreinigen. Nach UN-Angaben haben vier Millionen Bewohner der Hauptstadt seit dem 22. Dezember kein fließendes Wasser mehr. Die Rebellen machen hingegen Angriffe der Regierungstruppen für den Wassermangel verantwortlich.

Wie die oppositionsnahe "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" berichtete, gab es am Dienstag wieder Kämpfe in Wadi Barada. Regierungssoldaten griffen dort demnach mit Kampfhubschraubern und Artillerie an. Die syrische Führung vermutet unter den Rebellen in Wadi Barada auch Kämpfer der ehemals mit Al-Kaida verbündeten Miliz Fateh al-Sham, die ebenso wie die Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) von der Waffenruhe ausgenommen ist.

"Die Kämpfer zeigen, dass sie bereit sind, sich zu ergeben", sagte der Gouverneur der Provinz Damaskus, Ala Ibrahim, der regierungsnahen Zeitung "Al-Watan". Die einstige Al-Nusra-Front und heutige Fateh al-Sham "droht aber damit sie zu töten", fuhr er fort. Die Rebellen weisen die Präsenz der Gruppe in Wadi Barada jedoch zurück.

Die Beobachtungsstelle berichtete auch von Luftangriffen auf die Stadt Chan Sheichun in der Provinz Idlib. Dabei seien eine Schwangere getötet und drei Zivilisten verletzt worden. Rebellen griffen der in Syrien vernetzten Organisation zufolge wiederum zwei Dörfer in der Provinz Hama an. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, warnte vor einem "Kollaps" der Waffenruhe, sollten Russland und die Türkei nicht eingreifen.

Die geplanten Friedensgespräche in Astana werden auch vom UN-Sicherheitsrat unterstützt. Anfang Februar sollen auch die Verhandlungen zwischen der syrischen Führung und der Opposition unter UN-Schirmherrschaft fortgesetzt werden.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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