Weltpolitik

Mindestens 46 Tote bei Doppelanschlag in Damaskus

Bei einem Doppelanschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Samstag mindestens 46 Menschen getötet worden. Dutzende Personen seien verletzt worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Unter den Toten sind nach Behördenangaben aus dem Irak überwiegend Pilger aus dem Nachbarland. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle zufolge detonierte ein am Straßenrand platzierter Sprengsatz, als ein Bus vorbeifuhr. Ein Selbstmordattentäter habe sich überdies in der Gegend Bab al-Saghir in die Luft gesprengt, wo sich mehrere schiitische Mausoleen befänden, die Pilger aus aller Welt anzögen.

Ein Sprecher des irakischen Außenministeriums in Bagdad sprach von zwei Sprengsätzen am Straßenrand, welche die Busse mit den Pilgern treffen sollten. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete von zwei Bomben, die in der Nähe eines Friedhofs in der Altstadt explodiert seien.

Die Beobachtungsstelle sprach von 46 Toten. Viele seien schwer verletzt. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein dichtes Netz von Informanten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen. Der Sprecher des irakischen Außenministeriums, Ahmed Jamal, erklärte, ersten Erkenntnissen zufolge seien rund 40 Iraker getötet und 120 verletzt worden.

Der syrische Innenminister Mohammad al-Shaar erklärte, bei den Opfern handle es sich um Pilger verschiedener arabischer Nationalitäten. "Das Ziel war einfach nur zu töten", erklärte er. Im syrischen Staatsfernsehen waren Bilder mehrerer zerstörter Busse zu sehen, einige davon waren ausgebrannt. Auf dem Boden waren herumliegende Schuhe, Brillen, Rollstühle sowie Blutlachen zu sehen.

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Im syrischen Staatsfernsehen war von "Terroristen" die Rede. Diesen Begriff verwendet die syrische Führung für Rebellen und Jihadisten, die der Regierung feindlich gegenüberstehen. Das irakische Außenministerium machte sunnitische Extremistenorganisationen verantwortlich. Schiitische Schreine sind ein häufiges Ziel sunnitischer Extremistenorganisationen wie Al-Kaida und dem "Islamischen Staat" (IS).

Zwar gab es in Damaskus seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 mehrere Anschläge, sie sind aber dennoch eher selten. Auch blieb die Hochburg von Präsident Bashar al-Assad von den im Land wütenden Kämpfen weitgehend verschont. Seit dem Beginn des Bürgerkriegs vor sechs Jahren wurden mehr als 300.000 Menschen in Syrien getötet, Millionen Menschen flohen.

Unterdessen bezeichnete Assad die US-Truppen in seinem Land als Eindringlinge. "Alle ausländischen Soldaten, die ohne unsere Einladung nach Syrien kommen, sind Invasoren", sagte er in einem Interview des chinesischen Fernsehsenders Phoenix. "Wir glauben nicht, dass dies hilfreich ist."

Was die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump angehe, den "IS" vernichten zu wollen, so sei dies zwar vielversprechend, man habe dazu aber noch nichts Konkretes gesehen. Bisher habe es lokal nur ein paar Vorstöße der von den USA unterstützten Einheiten gegen den IS gegeben. "Wir hoffen, dass diese Regierung umsetzen wird, was wir gehört haben."

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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