Weltpolitik

Mindestens 52 Tote bei Luftangriffen in Syrien

Bei mehreren Luftangriffen auf die größtenteils von Rebellen beherrschte Provinz Idlib sind nach Angaben von Beobachtern mindestens 52 Menschen getötet worden. Bei den meisten der Opfer handle es sich um Zivilisten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag.

Mindestens 52 Tote bei Luftangriffen in Syrien SN/APA (AFP)/GEORGE OURFALIAN
Mehr als 50.000 Bewohner Aleppos ergriffen bisher die Flucht.

Bei einem Angriff auf den Ort Kafr Nabel im Süden der Provinz sei ein Marktplatz getroffen worden. Dutzende Menschen seien bei den Angriffen verletzt worden und teils in kritischem Zustand.

Idlib wird überwiegend von einer Rebellenkoalition verschiedener Gruppierungen kontrolliert. Darunter befindet sich auch die frühere Al-Nusra-Front (heute: Jabhat Fatah al-Sham) mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Vergangenen Monat hatte Syriens Verbündeter Russland eine Offensive in den Provinzen Idlib und Homs angekündigt.

Der Bewegungsraum für die Rebellen in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo wird unterdessen immer enger. Syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten haben einen Großteil der von Rebellen gehaltenen Gebiete in Ost-Aleppo zurückerobert.

Im Zuge einer neueren Offensive kontrolliere das Regime von Syriens Präsident Bashar al-Assad inzwischen mehr als 60 Prozent der ehemaligen Rebellengebiete, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

Damit beherrscht die bewaffnete Opposition immer weniger Viertel in der geteilten nordsyrischen Metropole. Die syrische Kurdenpartei PYD erwartet einen Sieg der Regierungstruppen in Aleppo, aber harten Widerstand der Rebellen in der Provinz Idlib.

Die Armee geht davon aus, dass die vollständige Einnahme Aleppos nur noch eine Frage von Wochen ist. Erste Einwohner, die zu Anfang des Krieges aus dem Osten Aleppos in den von der Regierung kontrollierten Westteil der Stadt geflohen waren, kehrten in zurückeroberte Bezirke zurück. Unterdessen verschlechtert sich die humanitäre Lage für die Zehntausenden Menschen in den Rebellen-Gebieten weiter.

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura geht davon aus, dass sich noch mehr als 100.000 Einwohner im umkämpften Osten der Stadt aufhalten. Die Beobachtungsstelle spricht sogar von 200.000 Menschen. Sowohl Lebensmittel als auch Treibstoff werden dort immer knapper. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini warnte die Führungen Syriens und Russlands, eine vollständige Einnahme Aleppos bedeute noch nicht das Ende des Syrien-Kriegs.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow machte nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry unterdessen Hoffnung auf neue Krisengespräche in Genf. Moskau sei bereit, zeitnah Militärexperten und Diplomaten zu Verhandlungen mit US-Vertretern in die Schweiz zu schicken, sagte Lawrow der Agentur Interfax. Bei dem Treffen sollte über Fristen für den Abzug bewaffneter Gruppen aus Ost-Aleppo und über humanitäre Hilfe gesprochen werden.

Lawrow und Kerry hatten sich in Rom getroffen. "John Kerry hat mir dabei US-Vorschläge übergeben, die durchaus der Linie russischer Experten entsprechen", sagte Lawrow. Details nannte er nicht. Russland ist Partner der syrischen Regierung und kämpft Seite an Seite mit Damaskus; die USA unterstützen Rebellentruppen, die Assad stürzen wollen.

An einen Abzug aus Ost-Aleppo stellten Kämpfer der Opposition allerdings hohe Anforderungen. "Wir werden uns ohne internationale Garantien nicht aus den östlichen Stadtvierteln zurückziehen", hieß es aus Kreisen der Kämpfer von Jaish Haleb (Armee Aleppos), einem Bündnis verschiedener Rebellengruppen in Ost-Aleppo. So müsse vor allem für die Sicherheit der Zivilbevölkerung gesorgt werden. Bewohner dürften nicht vertrieben werden, Hilfskorridore sollten unter internationaler Kontrolle stehen. Oppositionsführer waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Die syrische Armee hatte zusammen mit Verbündeten Mitte November eine Großoffensive auf die Rebellengebiete in Aleppo begonnen. Die Stadt ist geteilt: Während der Westen von der Regierung kontrolliert wird, halten Rebellenmilizen mehrere Stadtviertel im Osten der früheren syrischen Metropole. Andere Teile werden von Kurden gehalten, die für Autonomie kämpfen, aber nicht mit den Rebellen kooperieren, weil diese alle gegen Säkularismus seien.

In der Nähe der Hauptstadt Damaskus rückte die Armee in mehrere Vororte ein, nachdem Rebellen im Zuge eines Abkommens mit dem Regime die Waffen niedergelegt hatten und mit Bussen in Gebiete im Norden des Landes transportiert worden waren.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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