Weltpolitik

Missbrauchsfälle: Papst gestand Fehler der Kirche ein

Papst Franziskus hat eingestanden, dass die katholische Kirche den Schmerz von Missbrauchsopfern lange ignoriert hat. In einem ausführlichen Schreiben richtete er sich am Montag an die Gläubigen in aller Welt. Der Brief kommt wenige Tage, nachdem sich der Vatikan am Donnerstag bereits bestürzt über Berichte zu Kindesmissbrauch durch Priester in den USA geäußert hatte.

Der Papst sprach von "Scham und Reue" SN/APA (AFP)/FILIPPO MONTEFORTE
Der Papst sprach von "Scham und Reue"

"Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten, der sich in so vielen Menschenleben auswirkte", schrieb das katholische Kirchenoberhaupt. "Der Schmerz dieser Opfer ist eine Klage, die zum Himmel aufsteigt und die Seele berührt, die aber für lange Zeit nicht beachtet, versteckt und zum Schweigen gebracht wurde", schrieb Franziskus.

Franziskus richtete sich wenige Tage vor seiner Reise nach Irland an die selten genutzte Adresse der 1,3 Milliarden Katholiken in aller Welt, an das "Volk Gottes". Irland gehört zu den Ländern, die von massiven Missbrauchsskandalen erschüttert wurden. Konkreter Anlass des Schreibens ist aber ein umfassender Bericht aus Pennsylvania, demzufolge sich mehr als 300 Priester in den vergangenen 70 Jahren an Tausenden Kindern vergangenen haben. Die Vorwürfe erstrecken sich auf sechs der acht Diözesen in dem US-Bundesstaat. Darüber hatte sich der Vatikan bereits vergangenen Donnerstag bestürzt geäußert.

Rückblickend um Verzeihung zu bitten sei nie genug, schrieb der Papst in seinem dreiseitigen Brief, der in sieben Sprachen veröffentlicht wurde. Die Kirche müsse sich "mit Nachdruck verpflichten, diese Gräueltaten zu verdammen, wie auch die Anstrengungen zu bündeln, um diese Kultur des Todes auszumerzen; die Wunden "verjähren nie"". Missbrauch sei ein "Verbrechen, das tiefe Wunden des Schmerzes und Ohnmacht erzeugt", sowohl bei den Opfern als auch bei den Familienangehörigen.

Quelle: Apa/Dpa

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