Weltpolitik

Moschee-Angriff in Norwegen war versuchter Terrorakt

Am Vorabend des islamischen Opferfestes hat ein bewaffneter Mann in Norwegen eine Moschee angegriffen. Der mutmaßliche Täter wurde von einem der Gläubigen am Samstagabend überwältigt und dann festgenommen. In der Wohnung des Verdächtigen fand die Polizei später die Leiche seiner 17-jährigen Stiefschwester. Die Polizei wertete die Tat am Sonntag als versuchten Terrorakt.

Polizist mit Roboter vor dem Eingang der Al-Nour-Moschee SN/APA (AFP/NTB Scanpix)/TERJE PEDE
Polizist mit Roboter vor dem Eingang der Al-Nour-Moschee

Zum Zeitpunkt der Attacke hatten sich nur drei Menschen in der Al-Nour-Moschee in Baerum, einem Vorort von Oslo, befunden, wie der Leiter des Gotteshauses, Irfan Mushtaq, sagte. Den Angreifer beschrieb er in norwegischen Medien als "weißen Mann", der ein Gewehr und mehrere Pistolen bei sich gehabt habe. Der Mann habe einen Helm, eine kugelsichere Weste und eine Uniform getragen. Er habe eine Scheibe eingeschlagen, bevor er um sich geschossen habe, sagte Mushaq dem Sender TV2.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Angreifer um einen Norweger im Alter von etwas über den 20 Jahren. Er habe in der Nähe der Moschee gewohnt. Zu den möglichen Motiven des Mannes machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Sie gingen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Er sei der Polizei bekannt gewesen, habe jedoch keinen bekannten kriminellen Hintergrund.

Zu der Frau, deren Leiche kurz nach dem Moschee-Angriff gefunden wurde, machte die Polizei zunächst keine konkreteren Angaben. In welchem Verwandtschaftsverhältnis sie zu dem mutmaßlichen Moschee-Angreifer stand, blieb damit zunächst ungewiss. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein.

Bei dem Moschee-Angriff erlitt nur einer der Anwesenden Verletzungen. Dabei war zunächst unklar, ob es sich um Schussverletzungen handelte. Der Angreifer wurde von einem der anwesenden Gläubigen überwältigt.

Moschee-Leiter Mushtaq sagte der Zeitung "VG", er sei bei seinem Eintreffen am Tatort Patronenhülsen und Blut auf dem Teppich des Gotteshauses gesehen. "Und dann sehe ich eines unserer Gemeindemitglieder auf dem Angreifer sitzen, blutbeschmiert".

Der Mann, der den Angreifer überwältigt habe, sei ein 75-Jähriger, der offenbar nach dem Gebet noch zur Koranlektüre geblieben sei, sagte Mushtaq. Die Moschee habe vor dem Angriff keinerlei Drohungen erhalten. Der Sender NRK berichtete, die Polizei habe mehrere Waffen im Inneren der Moschee gefunden.

Ein Polizeisprecher sagte, der Festgenommene sei bisher nicht vernommen worden, da er noch medizinisch behandelt werde und noch keinen Anwalt habe. Derzeit werde der Zwischenfall nicht als terroristischer Angriff behandelt

Regierungschefin Erna Solberg verurteilte den Zwischenfall nahe Oslo. "Der Besuch von Moscheen, Kirchen und anderen Gotteshäusern sollte sicher sein", schrieb sie in einer am Abend veröffentlichten Erklärung. Auch Solberg wollte sich nicht zum Tatmotiv äußern.

Die Polizei in Oslo kündigte an, am Sonntag vor Moscheen erhöhte Präsenz mit bewaffneten Kräften zu zeigen. An diesem Tag beginnt für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit das Opferfest Eid al-Adha - das wichtigste Fest überhaupt im Islam.

In Norwegen hatte sich im Juli 2011 einer der schwersten rechtsextremen Anschläge überhaupt ereignet. Der Rechtsextreme Anders Behring Breivik tötete damals bei einem Bombenanschlag in Oslo acht Menschen. Weitere 69 Menschen erschoss er auf der Insel Utöya, die meisten Jugendliche. Im vergangenen März erschoss dann ein Rechtsextremer bei Anschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen. Eine der angegriffenen Moscheen trägt den selben Namen wie die Al-Nour-Moschee in Bärum. Der mutmaßliche Täter von Christchurch veröffentlichte vor seiner Tat ein Manifest, wonach er unter anderem von Breivik inspiriert war.

Quelle: SN

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