Weltpolitik

Mossad-Akte über Mengele: Die Jagd nach dem Bösen

Der "Todesengel von Auschwitz" wurde vom israelischen Geheimdienst
über Jahrzehnte verfolgt - bis nach Brasilien. Nun zeigt ein Blick in die Mossad-Akte zur Causa Mengele, welche Methoden die Agenten angewandt haben. Es bestand mehrfach die Möglichkeit, den in Südamerika untergetauchten Nazi-Verbrecher Josef Mengele festzunehmen.

Josef Mengele im Jahr 1956 in Buenos Aires. SN/wikimedia commons
Josef Mengele im Jahr 1956 in Buenos Aires.

Mossad-Agent Zvi Malchin ist sich sicher an diesem 23. Juli 1962: Er und seine Mitkämpfer vom israelischen Geheimdienst haben Josef Mengele gefunden, den gesuchten NS-Verbrecher und "Todesengel von Auschwitz".

Sie sind auf dem Weg zu einer Farm in der Nähe der brasilianischen Stadt São Paulo. Malchin flüstert auf Jiddisch in das Funkgerät: "Dus is er! Mir hoben ihm gefunen, dem kleine Dreck!"

Doch die Erlaubnis für den Zugriff kommt nicht. Mengele taucht wieder ab.

Der israelische Geheimdienst hat Mengele über Jahrzehnte gejagt - erfolglos. Ein israelischer Journalist hat nun nach eigenen Angaben erstmals Einblick in die Akte des Mossads über Mengele erhalten.

"Die Recherchen zeichnen das Bild einer gescheiterten Operation - und eines Geheimdienstes, der die Suche nach Mengele erstaunlich lange schleifen ließ", schreibt Ronen Bergman in einem Artikel für die Wochenzeitung "Die Zeit".

Der "Todesengel" ertrank 1979 bei einem Badeunfall

Der Mossad äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht. Der 1972 geborene Autor Ronen Bergman ist Jurist, seine Dissertation verfasste er über den Mossad und in den vergangenen Jahren führte er zahlreiche Interviews mit Angehörigen des Geheimdienstes.

Bergmans neues Buch "Der Schattenkrieg: Israel und die geheimen Tötungskommandos des Mossad" erscheint im Jänner.

Mengele war im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz für grausamste medizinische Experimente an Kindern verantwortlich und unter dem Namen "Todesengel von Auschwitz" berüchtigt.

Mengele gelang nach Kriegsende zunächst die Flucht nach Argentinien und 1960 nach Brasilien. 1979 ertrank er bei einem Badeunfall im Küstenort Bertioga im Bundesstaat Sao Paulo. Er wurde 67 Jahre alt.

Unter anderem forschte Mengele in Auschwitz an jüdischen Zwillingen, die er dann ermorden ließ, um die Leichen untersuchen zu können. Er lieferte auch einer Genetikerin, die Pigmentveränderungen erforschen wollte, Augen aus Auschwitz. Die Augen stammten von Sinti, die Mengele getötet hatte.

Kind sollte entführt werden, um Mengele zu fassen

In der Akte findet sich laut Bericht in der "Zeit" unter anderem der Plan aus dem Jahr 1961, einen Liebhaber auf Mengeles zweite Frau, Martha, anzusetzen. Anfang der 1980er Jahre entstand die Idee, den zwölfjährigen Sohn eines Kontaktes von Mengele zu entführen.

Der Vater sollte erpresst werden: entweder Informationen über Mengele oder der Sohn werde getötet. Der Plan wurde allerdings nicht umgesetzt. Der Mossad wusste damals noch nicht, dass Mengele bereits tot war.

Selbst 1983 noch versuchten die Agenten, einen erwarteten Geburtstagsanruf zwischen Josef Mengele und seinem Sohn Rolf, der damals als Rechtsanwalt in West-Berlin lebte, zu nutzen. Sie hörten Rolf Mengeles Telefon ab und hofften, dem Vater dadurch auf die Schliche zu kommen.

Akte zeigt, wie Mengele aus Deutschland unterstützt wurde

Mengele wurde im März 1911 in Günzburg bei Ulm geboren. Sein Vater besaß eine Firma, die Landmaschinen herstellte.

Josef Mengele studierte in München Philosophie und erhielt in Frankfurt einen Abschluss in Medizin. 1933 kam er zur Sturmabteilung (SA) der Nationalsozialisten, während des Krieges diente er unter anderem als medizinischer Offizier der Waffen-SS in Frankreich und Russland.

1943 wurde er leitender Arzt in Auschwitz-Birkenau. Die Akte zeigt auch noch einmal, wie viel Unterstützung Mengele noch jahrelang aus Deutschland erhielt.

1948 halfen ihm ehemalige SS-Angehörige mit Verbindungen zum Internationalen Roten Kreuz bei der Flucht nach Südamerika. Dort soll ihn seine Familie über einen Prokuristen regelmäßig mit großen Geldbeträgen versorgt haben, wie die "Zeit" schreibt.

1956 stellte ihm die deutsche Botschaft in Buenos Aires eine Urkunde für die Scheidung von seiner ersten Frau unter seinem richtigen Namen aus - obwohl bereits ein Ermittlungsverfahren gegen ihn lief.

1959 erhielt Josef Mengele zudem die paraguayische Staatsangehörigkeit unter seinem echten Namen.

Bei einem anderen NS-Kriegsverbrecher war Mossad-Agent Zvi Malchin erfolgreicher: Gemeinsam mit anderen spürte er 1960 in Argentinien Adolf Eichmann auf, der als Organisator des Holocausts gilt. Sie entführten Eichmann, der in Israel zum Tode verurteilt wurde.

Quelle: SN

Aufgerufen am 13.12.2018 um 10:02 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/mossad-akte-ueber-mengele-die-jagd-nach-dem-boesen-17184022

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