Weltpolitik

Myanmar stellt Hilfen für Rohingya-Flüchtlinge in Aussicht

Die Regierung Myanmars hat erstmals Hilfen für die muslimische Minderheit der Rohingya in Aussicht gestellt. Vertriebene würden von örtlichen Rot-Kreuz-Mitarbeitern humanitäre und medizinische Unterstützung erhalten, berichtete die Staatszeitung "Das Globale Neue Licht von Myanmar" am Samstag.

Tausende Rohingya warten auf Hilfe.  SN/APA (AFP)/MUNIR UZ ZAMAN
Tausende Rohingya warten auf Hilfe.

Nach UN-Angaben flohen seit Ende August rund 290.000 Menschen vor Gewaltverbrechen ins benachbarte Bangladesch. Die Kritik aus dem Ausland am Verhalten der Regierung Myanmars reißt nicht ab. Wie die Staatszeitung berichtet, sollen drei Lager im Norden, Süden und dem Zentrum des Bezirks Maungdaw im Bundesstaat Rakhine errichtet werden, wo es die heftigsten Kämpfe gab. Zwar bezog sich der Bericht nicht direkt auf Unterstützungen für die Rohingya, nannte aber Gebiete, in denen bis zu den jüngsten Unruhen Angehörige der Minderheit beheimatet waren.

Doch die Zahl der Menschen, die vor den Kämpfen im Westen Myanmars fliehen, steigt mit jedem Tag. Die UNO veröffentlichte neue Zahlen, wonach in den vergangenen zwei Wochen 290.000 Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit ins Nachbarland Bangladesch flohen. In Rakhine lebten bis Oktober schätzungsweise 1,1 Millionen Rohingya.

Auch rund 27.000 Buddhisten und Hindus wurden nach Angriffen von Rohingya-Rebellen vertrieben und erhielten staatliche Hilfen. Die Rohingya-Flüchtlinge hingegen wurden bisher sich selbst überlassen. Menschenrechtsorganisationen warfen der Regierung eine systematische Kampagne vor, um die Rohingya aus dem Land zu vertreiben. De-Facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi schweigt zu den Vorgängen in ihrem Land.

Malaysias Regierungschef Najib Razak bezeichnete das Schweigen von Myanmars Regierung zu dem Konflikt als "enttäuschend": "Es passiert auf geplante Weise, dass sie (die Rohingya) gefoltert, benachteiligt, getötet und vergewaltigt werden", sagte er am Samstag in Kuala Lumpur. Seine Regierung entsandte Hilfsgüter in die Grenzregion nach Bangladesch.

Pakistan bestellte am Samstag den Botschafter Myanmars ins Außenministerium ein. Ihm sei der "starke Protest der Regierung und des pakistanischen Volkes gegen die anhaltende Gewalt" gegen die Rohingya übermittelt worden, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums.

Unterdessen wurden in Bangladesch Befürchtungen laut, dass sich Muslime angesichts der Geschehnisse im Nachbarland radikalisieren könnten. In den sozialen Medien kursieren Bilder und Videos, die mutmaßliche Gewaltverbrechen gegen die Rohingya in Myanmar zeigten. Die heimische Islamistenszene könnte die Gewalt gegen die Muslime auch für Rekrutierungsversuche nutzen, sagte der Chef der Anti-Terror-Polizei von Dhaka, Monirul Islam. "Wir haben entsprechende Überwachungsmaßnahmen ergriffen."

Die Rohingya gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele der Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben. Menschenrechtsorganisationen warfen der Regierung eine systematische Kampagne vor, um die Rohingya aus dem Land zu vertreiben.

Quelle: Apa/Ag.

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