Weltpolitik

NATO startete Großmanöver in Norwegen

Das größte NATO-Manöver seit Ende des Kalten Krieges ist am Donnerstag in Norwegen angelaufen. An der Übung "Trident Juncture 18" nehmen rund 50.000 Soldaten aus 31 Ländern teil - die 29 NATO-Mitgliedstaaten sowie Schweden und Finnland. Aus Deutschland sind in Norwegen etwa 8.000 Soldaten beteiligt. Bei der deutschen Linkspartei stieß das Manöver auf scharfe Kritik.

50.000 Soldaten am Manöver beteiligt SN/APA (AFP)/REMKO DE WAAL
50.000 Soldaten am Manöver beteiligt

Simuliert wird bei dem Großmanöver, das bis zum 7. November dauert, der Angriff auf einen Verbündeten und die Aktivierung der Beistandsklausel nach Artikel 5 des NATO-Vertrags. Bei der Übung soll die Fähigkeit der NATO trainiert werden, schnell Truppen aus anderen Teilen Europas und aus Nordamerika zusammenzuziehen.

Die deutsche Bundeswehr ist mit rund 2.000 Militärfahrzeugen, mit Tornado- und Eurofighter-Jets sowie mit drei Schiffen im Einsatz. Die Kosten der Übung belaufen sich für Deutschland auf 90 Millionen Euro. Die fünf Staaten mit den größten Kontingenten sind die USA, Deutschland, Norwegen, Großbritannien und Schweden - in dieser Reihenfolge.

Offiziell richtet sich das Manöver gegen keinen bestimmten Angreifer. Angesichts der seit Jahren wachsenden Spannungen mit Russland handelt es sich aber auch um eine Machtdemonstration. Erst am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, aus dem 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossenen INF-Abkommen zur Abschaffung von landgestützten, atomar bestückbaren Mittelstreckenraketen auszusteigen. Norwegen teilt im hohen Norden eine rund 200 Kilometer lange Grenze mit Russland.

In einem gemeinsamen Beitrag von fünf Verteidigungs- oder Außenministern nordischer Länder für mehrere Zeitungen hieß es: "Wir sehen heute keine militärische Bedrohung für Nordeuropa, aber wir leben in unsicheren und unvorhersehbaren Zeiten."

Die russische Botschaft in Oslo bezeichnete die Übung als "antirussisch". Sie laufe auf eine "Provokation" hinaus, selbst wenn die NATO versichere, sie sei "rein defensiv". Die NATO lud zwei russische und zwei weißrussische Beobachter zu der Übung ein. Der norwegische NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte die Erwartung, dass Russland "jedes gefährliches Verhalten vermeiden" werde.

Der Linken-Fraktionschef im Bundestag in Berlin, Dietmar Bartsch, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe): "Es ist aberwitzig, gefährlich und provokant gegenüber Russland, im gegenwärtigen Klima das größte NATO-Manöver seit 30 Jahren in Norwegen zu starten". Die NATO bezeichnete er als ein "Relikt aus dem Kalten Krieg". Die Militärallianz sei "den derzeitigen Entwicklungen offensichtlich nicht gewachsen".

Quelle: Apa/Dpa

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