Weltpolitik

Neue Kämpfe in Aleppo kurz nach Ende der Waffenruhe

Kurz nach dem Ende der Waffenruhe haben sich Rebellen und die syrische Armee in Aleppo nach Angaben von Aktivisten schwere Gefechte geliefert. In mehreren Vierteln der geteilten Stadt seien am Samstagabend neue Kämpfe ausgebrochen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Zudem habe es Angriffe mit Artilleriegeschützen gegeben.

Neue Kämpfe in Aleppo kurz nach Ende der Waffenruhe SN/APA/AFP/DELIL SOULEIMAN

Angaben über Opferzahlen machte die Beobachtungsstelle zunächst nicht. Die in Großbritannien ansässige Organisation bezieht ihre Informationen von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die von Russland ausgerufene Waffenruhe in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo war am Samstagabend um 19.00 Uhr (Ortszeit, 18.00 Uhr MESZ) nach drei Tagen ausgelaufen. Der UNO gelang es in dieser Zeit nicht, Verletzte und Kranke aus den Rebellenvierteln in Sicherheit zu bringen. Nach UN-Angaben verließ nur eine Handvoll von Zivilisten und Aufständischen den Ostteil der Stadt. Die UNO sah die Rettung von Zivilisten über Sicherheitskorridore als zu gefährlich an. Auch die geplanten Hilfslieferungen konnten nicht umgesetzt werden.

Die einstige Wirtschaftsmetropole ist seit 2012 zweigeteilt. Die westlichen Stadtteile mit etwa 1,2 Millionen Einwohnern stehen unter Kontrolle der Regierung von Staatschef Bashar al-Assad. Der Osten der Stadt mit derzeit etwa 250.000 Einwohnern wird von bewaffneten Rebellen gehalten.

Am 22. September startete die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der östlichen Stadtteile, von wo aus die Rebellen den Westteil der Stadt bombardieren. Am vergangenen Dienstag setzten Damaskus und Moskau ihre Offensive aus, am Donnerstag in der Früh trat die "humanitäre Feuerpause" in Kraft.

In den fast vier Wochen dazwischen wurden der UNO zufolge bei den Luftangriffen auf Aleppos Osten etwa 500 Menschen getötet und weitere 2.000 verletzt, Schulen und Krankenhäuser wurden zerstört. Jetzt müssten 200 Verletzte und Kranke dringend aus dem Osten der Stadt gebracht werden. Die UNO rief Russland zugleich auf, die Waffenruhe bis Montag zu verlängern.

Die russischen Behörden und Syriens staatliche Medien werfen den bewaffneten Aufständischen vor, niemand in die humanitären Korridore - sechs für Zivilisten und zwei für Rebellen - zu lassen und selbst nicht von dem Angebot Gebrauch zu machen, ihre Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Die Rebellen ihrerseits beklagen mangelnde Sicherheitsgarantien für sich und die Zivilisten. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wiederum bezichtigte die Aufständischen, die Zivilisten mit "Drohungen, Erpressung und nackter Gewalt" daran zu hindern, die Korridore aufzusuchen.

Seit Wochen warten Lastwagen mit Hilfsgütern an der türkischen Grenze darauf, nach Aleppo fahren zu können. Der russische Militärsprecher Sergej Rudskoi sagte am Freitagabend, nur acht verletzte Rebellen und sieben Zivilisten hätten die Korridore benutzt. Nach seinen Angaben können sich Verletzte aus Ost-Aleppo auch im Westteil der Stadt behandeln lassen.

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Samstag in einem Interview mit dem Staatssender Rossija-1, für den Ausgang des Syrien-Konflikts gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Assad bleibe im Amt oder die mit Al-Kaida verbündeten Jihadisten von Fatah al-Sham, der einstigen Al-Nusra-Front, kämen an die Macht. Russland wolle mit seiner Militärintervention dazu beitragen, das "syrische Territorium" von den Jihadisten zu befreien und eine Teilung des Landes zu verhindern. Dies hätte "die katastrophalsten Ergebnisse für die gesamte Region zur Folge".

Die Vereinten Nationen richteten unterdessen eine Untersuchungskommission zum tödlichen Angriff auf einen Hilfskonvoi im Norden Syriens ein. Dabei waren in der Provinz Aleppo am 19. September 18 Menschen getötet und 18 Lastwagen mit Hilfslieferungen zerstört worden. Die USA machten die russische Luftwaffe für die Attacke verantwortlich. Moskau wies die Vorwürfe zurück und kündigte eine eigene Untersuchung an.

Eine andere Untersuchungskommission der Vereinten Nationen warf der syrischen Armee am Freitag vor, das Dorf Kmenas in der Provinz Idlib Mitte März 2015 mit Chemiewaffen angegriffen zu haben. Die Verantwortung für zwei weitere Chemiewaffenangriffe in derselben Provinz im März 2015 sowie im April 2014 konnte dagegen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Quelle: Apa/Ag.

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