Weltpolitik

Neue Spannungen in Srebrenica um Bürgermeisterwahl

Nach den Lokalwahlen in Bosnien-Herzegowina hält die Ungewissheit um den künftigen Bürgermeister der früheren muslimischen Enklave Srebrenica weiterhin an. Die Spannung nahm nun zu, nachdem sich in das Ringen um den Wahlsieg auch die Polizei eingemischt hat. Laut bosnischen Medienberichten hat eine bosnisch-serbische Sonderpolizeieinheit nämlich die Überwachung der Wahlzettel übernommen.

Wie das Internetportal Klix.ba berichtete, sei der Ankunft der Polizisten die Information vorausgegangen, dass außerhalb der städtischen Wahlkommission ein Sack mit Wahlzetteln gefunden worden sei.

Nermin Alivukovic, Leiter der städtischen Wahlkommission, konnte die Information nicht bestätigten, zeigte sich Medien gegenüber allerdings entschlossen, eine weitere Auszählung von Wahlzetteln der gesamtstaatlichen Wahlkommission zu überlassen. Auch nach Ansicht anderer Mitglieder der Wahlkommission von Srebrenica wäre die Situation völlig ungewöhnlich und nicht im Einklang mit dem Wahlgesetz. Die staatliche Wahlkommission hat am Dienstagabend eine Neuauszählung von Wahlzetteln aus fünf Wahllokalen genehmigt, wo es angeblich Irregularitäten gegeben haben soll.

Laut den jüngsten, von der staatlichen Wahlkommission veröffentlichten Resultaten würde der bosnisch-serbische Bürgermeisterkandidat Mladen Grujicic nach der Auszählung von Wahlzetteln aus 24 von 27 Wahllokalen mit 3.957 bzw. 70,46 Prozent der Stimmen in klarer Führung vor dem bisherigen Amtsinhaber, dem Bosniaken Camil Durakovic mit 1.645 bzw. 29,29 Prozent der Stimmen liegen. Durakovic rechnet allerdings weiterhin damit, dass ihm die per Post abgegebenen Stimmen den Wahlsieg sichern könnten. Um wie viele Stimmen es sich handelt, ist aber nicht ganz klar.

Sollten die aktuellen Wahlresultate bleiben, wäre Grujicic der erste serbische Bürgermeister Srebrenicas seit dem Kriegsende 1995.

Familienangehörige der bosniakischen Massakeropfer - von bosnisch-serbischen Truppen wurden im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Stadtbewohner brutal ermordet - würden ein solches Wahlresultat als einen schweren Schlag empfinden. Grujicic war von mehreren bosnisch-serbischen Parteien für den Bürgermeisterposten vorgeschlagen worden, im Wahlkampf wurde er allerdings vor allem von serbischen Ultranationalisten, darunter Vojislav Seselj, unterstützt.

Quelle: APA

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