Weltpolitik

Neues Kirchenbaugesetz in Ägypten verabschiedet

Das ägyptische Parlament hat am Mittwoch laut einem Kathpress-Bericht mit Zweidrittelmehrheit ein neues Gesetz über den Bau neuer Kirchen verabschiedet. Bei den - zumeist koptischen - Christen des Landes ist es trotz ihrer Mitwirkung umstritten.

Laut dem neuen Gesetz müssen Gouverneure der ägyptischen Provinzen innerhalb von vier Monaten auf Bauanträge für christliche Kirchen antworten. Wird die Genehmigung verweigert, muss der Gouverneur diese Entscheidung begründen, und die christlichen Gemeinden können dagegen Berufung einlegen. Das Gesetz legt auch fest, dass "die Größe der Kirche für die Zahl der Mitglieder der christlichen Gemeinde angemessen sein muss, wobei das voraussichtliche Bevölkerungswachstum in Betracht gezogen werden soll". Gegen diese und andere ungenaue Formulierungen richten sich viele kritischen Anmerkungen aus dem christlichen Bereich.

Die Kirchen hatten sich nach langem Ringen mit der Regierung auf den Text verständigt. Noch vor kurzem hatten die koptischen Bischöfe Teile des Entwurfs als "inakzeptabel" bezeichnet, da sie in der Praxis nicht umsetzbar seien.

Im Gesetzentwurf vorgesehen war auch, dass Kirchenneubauten nach außen nicht durch ein Kreuz gekennzeichnet werden dürften. Dies wurde aber gestrichen. Offiziell sollte diese Regelung dem besseren Schutz der Gotteshäuser dienen. Nach dem Putsch des Militärs unter General Abdel Fattah al-Sisi, dem heutigen Staatschef, gegen den der Muslimbruderschaft nahestehenden Präsidenten Mohamed Mursi im Juli 2013 hatten sich Übergriffe und Anschläge radikaler islamischer Gruppen gegen Christen und deren Einrichtungen gehäuft. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Kopten und die sonstigen Kirchen für ein säkulares Gesellschaftssystem mit der Trennung von Staat und Religion eintreten.

Die 91 Millionen Einwohner Ägypten sind zu 90 Prozent Muslime. Der Anteil der Christen wird insgesamt liegt bei zehn Prozent. Unter diesen ist die seit 2012 von Papst-Patriarch Tawadros II. (63) geleitete koptisch-orthodoxe Kirche mit sieben bis zehn Millionen Gläubigen die größte Gemeinschaft.

Gegen das Gesetz stimmten die Abgeordneten der islamistischen "Nur"-Partei. Sie vertreten die Auffassung, dass es die Bestimmungen der ägyptischen Verfassung über den Islam als Staatsreligion verletzt.

Das neue Gesetz ersetzt ein Dekret aus osmanischer Zeit. Auf der Grundlage dieses Dekretes und nachfolgender Ausführungsbestimmungen gab es beim Bau von Kirchen Vorschriften, die nicht für den Bau von Moscheen galten, wie zum Beispiel das Bauverbot in der Nähe von Schulen, Kanälen, Regierungsgebäuden, Eisenbahnlinien oder Wohngebieten. In vielen Fällen führte die strikte Umsetzung dieser Bestimmungen dazu, dass keine Kirchen in von Christen bewohnten Gegenden insbesondere in Oberägypten gebaut werden durften.

Quelle: APA

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