Weltpolitik

Neuseeland trauert um die Opfer des Terroranschlags

In Neuseeland herrscht nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen tiefe Trauer. In der Nähe der Tatorte in Christchurch legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Insgesamt war es in der Stadt jedoch viel ruhiger als an normalen Wochenenden. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Auf einem Spendenkonto für die Hinterbliebenen gingen inzwischen mehrere Millionen Euro ein.

Die Zahl der Todesopfer stieg inzwischen auf 50. In einer der beiden Moscheen wurde eine Leiche gefunden, die man bisher nicht mitgezählt hatte. Die ersten Toten sollen noch am Sonntag an die Familien übergeben werden. Damit kann dann auch mit den Beerdigungen begonnen werden. Nach neuseeländischen Medienberichten sind alle Todesopfer Muslime im Alter von zwei bis 77 Jahren. Von den mehreren Dutzend Verletzten schweben noch mindestens zwei in Lebensgefahr.

Inzwischen geht die Polizei fest davon aus, dass es sich bei dem festgenommenen Mann, einem 28 Jahre alten Australier, um einen Einzeltäter handelt. Zwar gab es vier weitere Festnahmen, offensichtlich aber ohne Zusammenhang zu dem Verbrechen.

Seine 74-seitige rechtsextreme Kampfschrift, die er ins Internet gestellt hatte, schickte der mutmaßliche Attentäter kurz vor den Anschlägen auch an Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Die Regierungschefin bestätigte am Sonntag in Wellington, dass neun Minuten vor Beginn der Angriffe am Freitag eine E-Mail an ihr Büro gegangen sei. Darin seien aber keine Tatorte oder ähnliche Hinweise genannt worden, mit denen die Anschläge noch hätten verhindert werden können.

Ardern legte am Sonntag zum Gedenken an die Opfer in einer Moschee in der Hauptstadt Wellington einen Kranz nieder. Die Regierungschefin wollte sich im Laufe des Tages bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage äußern. Sie sprach mehrfach von einem "terroristischen Angriff".

Papst Franziskus hat beim Angelusgebet am Sonntag seinen Schmerz für den "fürchterlichen Anschlag" ausgedrückt. Der Papst rief die auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen auf, zusammen für die Todesopfer, die Verletzten und ihre Familien zu beten.

"Liebe" statt Hass: Ein Überlebender des Anschlags, dessen Frau bei dem Attentat erschossen wurde, hat dem Angreifer Tarrant nach eigenen Worten verziehen. "Vergebung ist das Beste, Großzügigkeit, Liebe und Fürsorge, Optimismus", sagte der 59-jährige Farid Ahmad laut Medienberichten. Er würde Tarrant bei einem Treffen sagen: "Ich liebe ihn als Mensch."

In Neuseeland herrscht nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen tiefe Trauer. SN/AP
In Neuseeland herrscht nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen tiefe Trauer.

Farid Ahmads 44 Jahre alte Frau Husna ist eine der 50 Toten des Attentats. Als die ersten Schüsse fielen, habe sie "viele Frauen und Kinder" aus dem Gotteshaus geführt, sagte Ahmad. "Dann kam sie zurück, um nach mir zu sehen, weil ich in einem Rollstuhl saß, und als sie sich der Tür näherte, wurde auf sie geschossen."

Facebook hat nach eigenen Angaben in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag in Christchurch 1,5 Millionen Videos der Tat aus dem sozialen Netzwerk gelöscht. "Wir arbeiten weiter rund um die Uhr, um gegen die Regeln verstoßende Inhalte zu entfernen", twitterte Mia Garlick von Facebook Neuseeland am Sonntag.

Quelle: Apa/Dpa

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