Weltpolitik

Nordkorea: Sonderkommando soll Diktator Kim ausschalten

In Südkorea soll eine Spezialeinheit gegründet werden, deren einzige Aufgabe es ist, "Nordkoreas Kriegskommando- und Kontrollsystem zu neutralisieren und die Führung des Regimes, einschließlich Kim Jong-un, zu eliminieren".

Kim Jong-un - hat Südkorea ein Sonderkommando auf ihn angesetzt? SN/APA/AFP/KCNA VIA KNS/STR
Kim Jong-un - hat Südkorea ein Sonderkommando auf ihn angesetzt?

Die Sondereinheit soll eng mit US-Spezialkräften wie den Seals der US-Navy kooperieren, die bereits Terroristenchef Osama bin Laden getötet haben.

"Wir sind jetzt in der Phase der Konzipierung", zitierte "The Korean Herald" Verteidigungsminister Song Young-moo. "Ich glaube, wir können eine solche Enthauptungseinheit bilden und bis zum 1. Dezember operationsfähig machen."

Laut dem Blatt ist der Plan Teil einer Strategie, Pjöngjang im Falle eines nordkoreanischen Nuklearangriffs mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern gefechtsunfähig zu machen.

Zudem sollen konventionelle Waffensysteme Raketenabschussrampen, Nuklearanlagen und unterirdische Kommandostände zerstören. Präsident Moon Jae-in wird mit den Worten zitiert, "es ist jetzt entscheidend, machtvolle und praktische Maßnahmen zu ergreifen, damit Nordkorea die Folgen seines Handels realisiert".

Südkorea: Nordkorea-Krise könnte unvorhersehbar werden

Südkoreas Präsident Moon hat zudem vor einer "unvorhersehbaren" Entwicklung der Nordkorea-Krise gewarnt. Es sei nicht mehr absehbar, was passiere, wenn die Regierung in Pjöngjang ihre Provokationen nicht beende, sagte Moon am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin am Rande eines Wirtschaftsgipfels in Wladiwostok.

Nordkorea hatte am Dienstag nach seinem bisher größten Atomtest den USA mit "weiteren Geschenkpaketen" gedroht. Putin rief erneut dazu auf, die Krise durch Gespräche zu überwinden. Sanktionen und Druck alleine reichten nicht aus. Die Krise lastete erneut auf den Märkten in Asien und Europa.

Moon sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, Putin habe Südkorea die volle Unterstützung bei den Bemühungen zur Beilegung der Krise zugesagt. Putin stimme mit ihm überein, dass die Lösung der Atomfrage in Nordkorea oberste Priorität für die Entwicklung in Ostasien habe.

Der russische Präsident bezeichnete das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas als eklatanten Verstoß von UN-Resolutionen und eine Bedrohung für die Sicherheit Nordost-Asiens. Allerdings könne es ohne politische und diplomatische Anstrengungen keine Fortschritte geben. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete unter Berufung auf Außenminister Sergej Lawrow, dass es am Rande des Wirtschaftsgipfels in Wladiwostok ein Treffen der Delegationen Russlands und Nordkoreas geben könnte.

Während Südkorea, die USA und Deutschland für härtere Sanktionen plädieren, zweifeln Russland und China deren Sinn an. Bisher haben die von den Vereinten Nationen verhängten Strafmaßnahmen Nordkorea nicht von seinem Kurs abgebracht. Diplomaten erklärten, der UN-Sicherheitsrat könnte als weitere Sanktionen ein Verbot von nordkoreanischen Textilexporten, Landeverbote für nordkoreanische Flugzeuge, Einreiseverbote für nordkoreanische Funktionäre, ein Entsendeverbot für nordkoreanische Arbeiter und die Unterbindung von Öllieferungen in Betracht ziehen.

Moon forderte Putin nach Angaben aus seiner Delegation auf mitzuarbeiten, um die Ölzufuhr Nordkoreas zu unterbinden. Putin habe allerdings erklärt, das würde nur die Bevölkerung treffen. Nach Angaben Putins liefert Russland nur rund 40.000 Tonnen Rohöl pro Jahr an Nordkorea. Die chinesischen Lieferungen belaufen sich nach Angaben aus Industriekreisen auf rund 520.000 Tonnen.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon sagte, China halte den Schlüssel zur Lösung der Krise in der Hand. Er verwies unter anderem auf die Öllieferungen. "China hat nicht nur Einfluss, sondern auch viele der Hebel, die nötig sind, um Nordkorea zu einem anderen Verhalten zu bringen", sagte Fallon der BBC.

Im Fall neuer Sanktionen drohte aber Nordkorea mit Gegenmaßnahmen. Das Außenministerium in Pjöngjang unterstellte den USA, eine feindselige Politik und dazu eine "hektische Sanktionskampagne" zu betreiben. "Wir werden auf die verabscheuungswürdigen Sanktionen und den Druck der USA mit unserer eigenen Art der Gegenoffensive antworten", wurde ein Sprecher am Dienstagabend von den Staatsmedien zitiert. Welche Art von Maßnahmen ergriffen werden sollen, blieb unklar.

Nachdem Nordkorea am Sonntag nach eigenen Angaben eine zweite Wasserstoffbombe erfolgreich getestet hat, können Experten nicht bestätigen, dass es sich tatsächlich um diesen Typ Waffe gehandelt hat. Nachweisen könne man thermonukleare Reaktion einer solchen Bombe erst Wochen nach der Detonation, erklärte Robert Kelley, Analyst des Instituts für Friedensforschung in Stockholm (SIPRI).

Durch radioaktive Isotope in der Atmosphäre ließe sich die Zündung einer Wasserstoffbombe bestätigen. Da sich das nordkoreanische Regime allerdings alle Mühe gebe, den Austritt solcher Teilchen aus den unterirdischen Test-Tunnels zu verhindern, könne man erst Wochen nach der Explosion nachweisen, um welchen Bombentyp es sich handelte, betonte der US-amerikanische Experte in einer Aussendung.

Auch wenn sich die Explosion selbst anhand von seismischen Messungen bestätigen ließe , könne man alleine an der Sprengkraft eines solchen Tests nicht ablesen, um welchen Bombentyp es sich handle. So hätten die Vereinigten Staaten bereits im Jahr 1952 eine Bombe mit dem Codenamen "Ivy King" gesprengt, die eine fünfmal stärkere Sprengkraft (500 Kilotonnen TNT) hatte, als die Explosion des jüngsten nordkoreanischen Tests - ohne jegliche thermonukleare Reaktion, so Kelley.

Eine Sprengung unter der Erde sagt nach den Worten des SIPRI-Experten auch sehr wenig über die tatsächliche Größe und das Gewicht einer solchen Bombe aus. So sei es wesentlich schwerer, einen funktionierenden Sprengkopf mit einer Sprengkraft von 10-20 Kilotonnen (Kt) auf einer Rakete unterzubringen, als eine Untergrundsprengung von 100 Kt durchzuführen.

Wie das deutsche Magazin "Die Zeit" (Online) kürzlich berichtete, testet der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un die Waffen auf dem Testgelände Punggye Ri - bei einem Gebirge, in etwa einem Kilometer Tiefe. Das erzeugt seismische Wellen, die Forscher dank eines Messnetzwerks weltweit erfassen können. Federführend ist dabei die in Wien ansässige Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO).

Verschließt man die Test-Tunnel, könnten radioaktiven Isotope daran gehindert werden nach außen zu gelangen, was die Messungen von radioaktiven Isotopen in der Atmosphäre, die bei Atomexplosionen freigesetzt werden, erheblich erschwert. Vor dem Nachweis dieser radioaktiven Teilchen sei es aber nicht möglich zu bestätigen, ob es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte, oder eben nicht.

Bereits nach dem ersten Test einer nordkoreanischen Wasserstoffbombe im Jänner 2016 äußerten Experten erhebliche Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Aussagen des Regimes in Pjöngjang. Aufgrund der Versiegelung des Test-Tunnels konnten auch Wochen nach der Explosion keine eindeutigen Ergebnisse zur Art der Bombe erzielt werden.

Wie der deutsche Physiker und Konfliktforscher Götz Neuneck der "Zeit" damals sagte, fehle Nordkorea derzeit das Know-how für eine Wasserstoffbombe. Wasserstoffbomben sind potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen. Anders als einfache atomare Sprengsätze beziehen sie den Großteil ihrer Zerstörungskraft nicht aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, sondern aus der Verschmelzung (Fusion) von Atomkernen des Elements Wasserstoff.

Quelle: Apa/Dpa

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