Weltpolitik

Notfallplan in Nigeria nach Luftangriff auf Flüchtlingslager

Nach dem versehentlichen Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in Nigeria haben die Behörden des Staates Borno die örtlichen Krankenhäuser und Ärzte in Alarmbereitschaft versetzt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schickte einen Rettungshubschrauber, um Verletzte aus dem Lager in Rann nach Maiduguri zu bringen, wie die örtliche Regierung am Mittwoch mitteilte.

Das Flüchtlingslager wurde versehentlich angegriffen.  SN/médecins sans frontières (msf)
Das Flüchtlingslager wurde versehentlich angegriffen.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen wurde demnach mit der Koordinierung der medizinischen Hilfe beauftragt. Die Rettungsarbeiten in dem Flüchtlingslager, wo Menschen auf der Flucht vor der Islamistengruppe Boko Haram leben, dauerten am Mittwoch an. Berichten zufolge waren die ersten Notaufnahmen in dem nördlichen Bundesstaat rasch überfüllt. Nach neuen Angaben des Roten Kreuzes wurden bei dem Luftangriff des nigerianischen Militärs am Dienstag mindestens 70 Menschen getötet und über hundert weitere verletzt. Die Opferzahl könnte demnach noch weiter steigen.

Unter den Toten waren auch sechs Mitarbeiter des nigerianischen Roten Kreuzes. Ärzte ohne Grenzen erklärte, von der eigenen Organisation seien keine Helfer unter den Opfern, allerdings starben drei Mitarbeiter einer von der Organisation beauftragten Firma, die in dem Flüchtlingslager arbeitet. Die Organisation verbreitete auch Bilder aus dem Lager nach dem Angriff, auf denen verletzte Kinder zu sehen waren und Leichen, die unter Decken lagen.

Ärzte ohne Grenzen erklärte, der Angriff sei "schockierend" und nicht hinnehmbar. Auch der Norwegische Flüchtlingsrat zeigte sich entsetzt. Das Lager müsse ein "sicherer Zufluchtsort" für Menschen sein, die vor Kriegen und Konflikten auf der Flucht seien, erklärte die Organisation. Derlei "versehentliche" Angriffe dürften nicht zu einer neuen Norm werden.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte von der nigerianischen Regierung eine "rasche und angemessene" Entschädigung der Opfer. Der Angriff verstoße gegen das internationale humanitäre Recht. Der UNO zufolge leben in dem Lager rund 43.000 Vertriebene unter schwierigen Bedingungen.

Das nigerianische Militär hatte schon am Dienstag eingeräumt, dass ein Kampfjet "das falsche Ziel getroffen" habe. Offenbar sollte stattdessen der nahe gelegene Ort Kala beschossen werden, wo das Militär Boko-Haram-Kämpfer vermutet. Staatschef Muhammadu Buhari äußerte sein tiefes Bedauern über das Bombardement.

Boko Haram kämpft seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats in Nigeria. Seit 2009 wurden bei Angriffen mehr als 20.000 Menschen getötet. Außerdem ergriffen 2,6 Millionen Menschen die Flucht. Das nigerianische Militär erzielte zuletzt Fortschritte im Kampf gegen die Miliz und erklärte im Dezember, der Konflikt sei in seine Endphase getreten.

Quelle: Apa/Ag.

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