Weltpolitik

Nur wenige Ex-US-Vizepräsidenten waren politisch erfolgreich

Der künftige US-Präsident Joe Biden ist von seinem politischen Werdegang das genaue Gegenteil seines Vorgängers Donald Trump. Während Trump der erste komplette politische Newcomer im Weißen Haus war, hat Biden fast vier Jahrzehnte als Senator, drei Präsidentschaftskandidaturen und acht Jahre als Vizepräsident auf seinem Konto. Letzteres ist aber eher eine politische Bürde, wie ein Blick in die US-Politikgeschichte zeigt. Nur wenige Ex-Vizes hatten als Präsidenten Erfolg.

Aus dem ehemaligen Vize wird nun der "Boss" SN/APA (AFP/Getty)/TASOS KATOPODIS
Aus dem ehemaligen Vize wird nun der "Boss"

Dass Vizepräsidenten auch die höchste Stufe der US-Politikleiter erklimmen, ist eher ungewöhnlich. Nicht einmal ein Drittel (ohne Biden 14 von 47) hat den Einzug ins Oval Office geschafft. Neun davon stiegen nach dem Rücktritt oder Tod sie des Amtsinhabers zum Präsidenten auf. Damit ist Biden erst der sechste US-Vizepräsident, der es aus eigener Kraft zum stärksten Mann der USA schafft. Gleich zwölf Vizepräsidenten bemühten sich erfolglos um das Präsidentenamt - zuletzt im Jahr 2000 der Demokrat Al Gore.

Der politische Erfolg der Ex-Vizes im Präsidentenamt ist überschaubar. Drei von fünf wurden zu "One Term Presidents", denen die Wähler eine angestrebte zweite Amtszeit verweigerten. Es handelt sich um John Adams (1797-1801), Martin Van Buren (1837-41) und George H.W. Bush (1989-93). Sie alle hatten zuvor zwei Amtszeiten politischen Schwergewichten gedient, und zwar George Washington, Andrew Jackson und Ronald Reagan. Als es dann um ihre eigene Wiederwahl ging, traf sie "der Fluch der dritten Amtszeit", die Neigung der US-Wähler zu einem politischen Richtungswechsel nach drei Regierungsperioden eines Lagers.

Die beiden anderen sind der legendäre Gründungsvater Thomas Jefferson (1801-09), der als amtierender Vize "seinen" Präsidenten Adams herausgefordert hatte, und der Republikaner Richard Nixon (1969-74). Nixon schaffte es aber erst im zweiten Anlauf ins Oval Office. Als amtierender Vizepräsident von Präsident Dwight D. Eisenhower war Nixon bei der Präsidentenwahl 1960 dem Demokraten John F. Kennedy knapp unterlegen. 1968, als Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson auf ein Antreten verzichtete, warf Nixon seinen Hut erneut in den Ring und siegte. 1972 wiedergewählt, musste er im August 1974 zurücktreten, um einer Amtsenthebung infolge der Watergate-Affäre zuvorzukommen.

Von den als Nachfolger verstorbener oder zurückgetretener Präsidenten ins Oval Office eingezogenen Vizes vermochten ebenfalls die meisten keine bedeutende politische Rolle zu spielen. John Tyler (1841-45), Millard Fillmore (1849-50), Chester Arthur (1881-85) und Gerald Ford (1974-76) scheiterten mit Bewerbungen um eine Wiederwahl. Der Nachfolger des ermordeten Abraham Lincoln, Andrew Johnson (1861-65), musste sich gar einem Amtsenthebungsverfahren stellen.

In dieser Gruppe schafften nur Theodore Roosevelt (1901-09), Calvin Coolidge (1923-29), Harry S. Truman (1945-53) und Lyndon B. Johnson (1963-69) die Wiederwahl. Doch auch diese vier Ex-Vizepräsidenten schöpften nicht ihr volles Potenzial im Weißen Haus aus. Sie alle hätten nämlich noch ein weiteres Mal kandidieren dürfen, verzichteten aber darauf. Roosevelt tat dies aufgrund von starkem innerparteilichem Druck zur Einhaltung eines vor seiner Wiederwahl abgegebenen Versprechens, die gegen Ende ihrer Amtszeiten äußerst unpopulären Truman und Johnson wohl aus Angst vor einer Niederlage. Lediglich dem durchaus beliebten Coolidge dürfte der Weg zu einer weiteren Amtszeit offen gestanden sein, doch hatte er schwer an Depressionen nach dem Tod seines Sohnes im Jahr 1924 zu tragen.

Biden gilt indes schon vor seinem Amtsantritt als "Übergangspräsident", was vor allem an seinem hohen Alter liegt. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass er im Jahr 2024 als dann 81-Jähriger für ein zweites Mandat antreten wird, außer bei einer Neuauflage des aktuellen Duells gegen Donald Trump. Bereits im Vorwahlkampf um die demokratische Nominierung hatte Biden gesagt, er sehe sich als "Brücke" zu einer neuen Generation demokratischer Spitzenpolitiker. Nach seinem Sieg im Vorwahlkampf kürte er dann tatsächlich eine Vertreterin dieser neuen Generation, Kamala Harris, zu seiner Vizekandidatin. Somit dürften die Demokraten auch im Jahr 2024 eine Person mit Vizepräsidentschaftserfahrung ins Rennen ums Weiße Haus schicken.

Quelle: APA

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