Weltpolitik

Obama: Bei US-Wahl steht die Demokratie auf dem Spiel

"All der Fortschritt, den wir in den vergangenen acht Jahren gemacht haben, steht auf dem Spiel", sagte Obama am Freitag bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Demokratin Hillary Clinton in Cleveland.

Obama: Bei US-Wahl steht die Demokratie auf dem Spiel SN/APA/AFP/YURI GRIPAS
Obama: Bei US-Wahl steht die Demokratie auf dem Spiel

US-Präsident Barack Obama hat mit eindringlichen Worten vor einem Sieg des republikanischen Kandidaten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl Anfang November gewarnt.

"Die Demokratie an sich steht jetzt auf dem Spiel." Es gehe um die Bewahrung von Toleranz, Höflichkeit, Gleichheit und Ehrlichkeit in den USA, sagte Obama. Trump drohe damit, "seine politischen Gegner ins Gefängnis und die Medien zum Schweigen zu bringen". Zudem suche der Rechtspopulist bereits jetzt nach "Ausreden" für eine mögliche Niederlage und spekuliere über Wahlbetrug, sagte Obama.

Erneut Vorwürfe gegen Trump

Unterdessen warfen zwei weitere Frauen Trump sexuelle Übergriffe vor. "Lügen, Lügen, Lügen", sagte Trump bei der Wahlkampfveranstaltung in Greensboro im US-Staat North Carolina über die gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe. Über die 74-jährige Jessica Leeds, die dem Immobilienmilliardär vorwirft, sie vor mehr als 35 Jahren während eines Fluges betatscht zu haben, sagte Trump: "Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl, das kann ich Euch sagen." Bei seinen Anhängern erntete Trump damit Gelächter.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Charlotte wandte er sich an seine weiblichen Unterstützer. "Ich liebe diese Schilder 'Frauen für Trump'", sagte er, als eine Frau mit ein solches Schild hochhielt. "Ich denke tatsächlich, dass ich gut mit Frauen klar komme." Eine neue Quinnipiac-Umfrage sieht Trump bei den weiblichen Wählern allerdings 20 Prozentpunkte hinter seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton.

Trump inszenierte sich vor seinen Anhängern überdies als Opfer einer Medienverschwörung. "Die korrupten Medien tun alles in ihrer Macht Stehende, um unsere Bewegung zu stoppen", sagte er. Daran sei auch der mexikanische Milliardär Carlos Slim, Hauptanteilseigner bei der "New York Times", beteiligt. "Carlos Slim kommt, wie Ihr wisst, aus Mexiko. Er hat viele Millionen Dollar den Clintons und ihrer Initiative gegeben."

Die Affäre hatte begonnen, als die "Washington Post" vor gut einer Woche eine heimliche Aufzeichnung aus dem Jahr 2005 veröffentlicht hatte, in der Trump sich in vulgären Worten mit Übergriffen gegen Frauen brüstet. Kurz danach meldeten sich mehrere Frauen zu Wort, die Trump sexuelle Belästigung vorwarfen.

Trump sprach von "Verleumdungen", hinter denen Clintons Wahlkampfteam stecke. Gegen die "New York Times", die mehrere Vorwürfe veröffentlichte, kündigte Trump eine Klage an. Eine ganze Reihe prominenter Republikaner distanzierten sich aber von ihm.

Am Freitag erhoben zwei weitere Frauen Anschuldigungen gegen Trump. "Er begann mich aggressiv zu küssen und legte seine Hand auf meine Brust", berichtete Summer Zervos bei einer Pressekonferenz in Los Angeles. Zervos hatte an Trumps Realityshow "The Apprentice" teilgenommen. Nachdem sie ausgeschieden war, war sie mit Trump in Kontakt geblieben und hatte 2007 den Milliardär in einem Hotel in Beverly Hills getroffen.

Sie habe über einen Job reden wollen, doch sei sie bei ihrer Ankunft in einen Bungalow geführt worden, wo Trump sie geküsst und begrapscht habe. "Er umarmte mich und ich versuchte, ihn wegzudrängen." Er aber habe sie mit seinen Genitalien bedrängt. Zervos sagte, sie habe sich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, nachdem Trump bestritten hatte, jemals Frauen belästigt zu haben.

Das frühere Model Kristin Anderson sagte der "Washington Post", dass Trump in den frühen 90er-Jahren in einem Nachtclub ihr unter den Rock gegriffen und zwischen die Beine gefasst habe.

Trumps Wahlkampfteam erklärte, Trump erinnere sich "vage" an Zervos. Sie habe nach dem Ende der Show weiter E-Mails an sein Büro geschrieben und ihn um Hilfe gebeten. Den Vorwurf der sexuellen Belästigung wies Trump zurück.

Seine Rivalin Clinton versicherte, dass sie sich keinesfalls über den Skandal um Trump freue. "Ich bin überhaupt nicht glücklich darüber", sagte sie in Seattle. "Es beschädigt unsere Demokratie."

Quelle: Apa/Afp

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