Weltpolitik

Oberstaatsanwalt warnt vor Attentaten in Italien

Der italienische Anti-Mafia- und Anti-Terrorismus-Oberstaatsanwalt Franco Roberti hat nach der Tötung des mutmaßlichen Berlin-Attentäters Anis Amri vor der Gefahr fundamentalistischer Anschläge in Italien gewarnt. "Italien ist nicht nur ein Transitland für Terroristen. In unserem Land finden sie logistische Unterstützung", sagte Roberti der Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag.

Staatsanwalt lobte die Arbeit der italienischen Ermittler.  SN/APA (Archiv/AFP)/ANDREAS SOLARO
Staatsanwalt lobte die Arbeit der italienischen Ermittler.

In Italien würden Terroristen Zuflucht bei Bekannten und falsche Papiere finden. "Es ist kein Zufall, dass in Neapel, Caserta, Bari und Rom Zentralen geschaffen wurden, die den Migranten falsche Dokumente ausstellen", erklärte Roberti im Hinblick auf eine lukrative Einkommensquelle für Kleinkriminelle, die gleichzeitig den Terroristen entgegen kommt.

Der Staatsanwalt lobte die Arbeit der italienischen Ermittler. Diese hätten dafür gesorgt, dass bisher keine Anschläge in Italien verübt wurden. "Viele mögliche Terroristen sind festgenommen und ausgewiesen worden. Wir konnten sie noch in der Phase ihrer Radikalisierung stoppen. Die Vorbeugung hat funktioniert. Doch die Gefahr besteht", sagte der Ermittler.

Der Oberstaatsanwalt beschuldigte Europa, Italien allein im Umgang mit dem Flüchtlingsnotstand und der Terrorgefahr gelassen zu haben. "Das kann nur gefährlich sein", sagte Roberti.

Unterdessen bereitet sich Italien auf Silvesterfeiern mit höchsten Sicherheitsmaßnahmen vor. 7.000 Soldaten sollen einen sicheren Rutsch ins neue Jahr garantieren, berichtete das Innenministerium in Rom. Die Militärs seien gemeinsam mit den Carabinieri und den Polizisten bei Anti-Terror-Kontrollen über Silvester im ganzen Land im Einsatz.

Spezialkräfte werden dem Innenministerium zufolge vor allem in Rom und Mailand eingesetzt. Soldaten bewachen in den italienischen Städten sensible Einrichtungen wie Flughäfen, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen und Botschaften. Auch rund um den Vatikan sind die Sicherheitsvorkehrungen streng wie noch nie. Gepanzerte Autos stationieren vor dem Kolosseum in Rom.

In Mailand wurden Barrieren aufgestellt, um zu verhindern, dass größere Lkw sich Fußgängerzonen mit starkem Touristenzustrom nähern können. Kampfjets der italienischen Luftwaffe sollen die Metropolen vor Anschlägen schützen. Auch bewaffnete Hubschrauber sollen gegen Drohnen oder Flugzeuge mit feindlichen Absichten eingesetzt werden.

Zugleich wurden strenge Maßnahmen zum Schutz der Sicherheitskräfte ergriffen. Befürchtet werden Racheaktionen, nachdem ein italienischer Polizist in Sesto San Giovanni bei Mailand den mutmaßlichen Berlin-Attentäter Anis Amri erschossen hatte, berichteten italienische Medien. Italien hat seit Jahresbeginn aus Sicherheitsgründen 62 Islamisten abgeschoben. Seit Jänner 2015 sind es 128.

Ein mittlerweile in seine Heimat abgeschobener Tunesier sollte in Italien offenbar einen Terroranschlag verüben. Mitte November habe der Mann Anweisungen bekommen, ein Attentat auszuführen, das denen in Frankreich und Belgien ähnlich sei, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf das Innenministerium. Ihm werde zudem vorgeworfen, IS-Propaganda gemacht zu haben.

Die Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete, der Tunesier habe klare Anzeichen einer Radikalisierung gezeigt. Am Donnerstag sei der Mann nach Tunis ausgeflogen worden. Ein Bezug zu dem mutmaßlichen Attentäter von Berlin - ebenfalls ein Tunesier - wurde in den Berichten nicht hergestellt.

Quelle: APA

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