Weltpolitik

Österreicher wird interimistischer Leiter des Malteserordens

Der Österreicher Ludwig Hoffmann-Rumerstein ist interimistischer Leiter des Malteserordens. Das berichtet das vatikanische Blogportal "Il Sismografo" laut Kathpress am Mittwoch. Hoffmann-Rumerstein folgt Matthew Festing nach, der am Dienstag auf Aufforderung von Papst Franziskus sein Amt als Großmeister abgegeben hatte.

Nach dem Rücktritt eines Malteser-Großmeisters tritt automatisch der bisherige Großkomtur (Vize-Großmeister) in dessen Funktion. Hoffmann-Rumerstein wurde 1994 vom Souveränen Rat des Malteserordens für die Zeit bis 2004 zum Großkomtur des Malteserordens gewählt. Im Mai 2014 wurde er bestätigt.

Ludwig Hoffmann-Rumerstein wurde am 21. Jänner 1937 in Innsbruck geboren. Er studierte nach der Matura 1957 Rechtswissenschaften in Österreich und nach dem Lizenziat Philosophie an der Gregoriana in Rom. 1970 trat er in den Malteserorden ein, legte 1984 die ewigen Gelübde ab. Hoffman-Rumerstein war 1968 Mitbegründer des Malteser-Hilfsdienstes Tirol, ab 1984 Mitglied des Souveränen Rates. 1971 und 1979 war er Leiter der Gruppe ehrenamtlicher Helfer in Innsbruck und von 1977 bis 1979 deren Kommandant. Von 1979 bis 1986 war er im Verwaltungsrat des Malteser Hospitaldienst Austria.

Festing folgte mit seinem Rücktritt einer entsprechenden Aufforderung von Papst Franziskus. Den Angaben zufolge war er am Dienstag mit dem Papst zusammengetroffen, um über den andauernden Streit über vatikanische Ermittlungen in der Malteser-Leitung zu sprechen. Anlass des vatikanischen Vorgehens war ein Streit um die Absetzung des Deutschen Albrecht von Boeselager als Großkanzler der Malteser.

Großmeister Festing hatte die Entlassung im vergangenen Dezember mit "schwerwiegenden Problemen", vor allem der Billigung der Verteilung von Kondomen in Hilfsprojekten für Flüchtlinge, begründet. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit, als Boeselager Verantwortlicher für die Koordination der humanitären Hilfe des Ordens war.

Boeselager betonte, die Amtsenthebung entbehre "jeder rechtlichen Grundlage". Mitte Jänner reichte er vor dem zuständigen ordensinternen Magistral-Gericht Einspruch gegen seine Enthebung und seinen Ausschluss aus dem Orden ein. Festing hatte sich zuletzt gegen eine vatikanische Untersuchung der Leitungskrise gewehrt.

Der Malteserorden mit weltweit 13.500 Mitgliedern hat den Status eines Völkerrechtssubjekts. Kardinalpatron ist seit 2014 der US-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke.

Der Malteserorden war ursprünglich eine von Kaufleuten aus dem süditalienischen Amalfi begründete Hospitalbruderschaft, die in Jerusalem wirkte. Zunächst war die Ausrichtung des Ordens rein karitativ, im Zug der Entwicklung des Lateinischen Königreichs Jerusalem musste er aber auch militärische Aufgaben übernehmen. Nach dem Ende des Königreichs durch die muslimisch-mameluckische Eroberung der Festung Akkon (Akko) bei Haifa im Jahr 1291 wurde Rhodos Ordenssitz, vom 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts Malta.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kehrte der Orden zur ursprünglichen karitativen und sozialen Aufgabenstellung der Malteser bzw. Johanniter zurück. Ausgangspunkt des heutigen humanitären Einsatzes in Österreich war die Hilfe für die ungarischen Flüchtlinge nach der Niederschlagung der Revolution von 1956. Aktuell sind in den Hilfswerken von Maltesern und Johannitern in Österreich ständig rund 1.500 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.

Quelle: APA

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