Weltpolitik

Opfer des Kolumbien-Konflikts bei Friedensnobelpreis-Vergabe

Mehrere Opfer des kolumbianischen Bürgerkriegs sind von Präsident Juan Manuel Santos zur Teilnahme an der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn eingeladen worden. Darunter ist auch die über sechs Jahre lang von der FARC-Guerilla entführte frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Sie war 2008 - damals war Santos noch Verteidigungsminister - vom Militär befreit worden.

Wie die Regierung am Donnerstag mitteilte, wird die Delegation bei der Verleihung des Friedensnobelpreises an Santos am Samstag in Oslo rund 30 Personen umfassen, darunter auch die Verhandlungsführer der Regierung, die seit 2012 auf neutralem Boden in Kuba mit der Guerilla den Vertrag ausgehandelt hatten. Santos hatte angekündigt, das Preisgeld von acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) den Opfern zu spenden. Seit 1964 wurde das Land durch den Konflikt zwischen linken und rechten irregulären Gruppen sowie dem Militär geprägt, über 220.000 Menschen starben, Millionen wurden vertrieben.

Nachdem der Vertrag am 2. Oktober in einem Referendum abgelehnt worden war, wurde er an einigen Punkten verschärft - das Vermögen der linksgerichteten FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens), die noch rund 5.800 Kämpfer hat, soll zur Opferentschädigung herangezogen werden. Sie finanzierte sich stark durch Drogenhandel.

Beim zweiten Anlauf wurde das Volk nicht mehr gefragt: Am 30. November billigte nach dem Senat auch der Kongress das Abkommen. Es wird von den Gegnern wegen milder Strafen für die Kämpfer kritisiert; vielfach können diese im Hausarrest verbüßt werden. Die Waffenabgabe soll noch im Dezember beginnen und bis Ende April abgeschlossen sein. Santos trifft nach der Verleihung in Europa noch mehrere Staats- und Regierungschefs, am 16. Dezember trifft er zudem Papst Franziskus.

Quelle: Apa/Dpa

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