Weltpolitik

Opus-Dei-Chef gestorben: Wie geht es mit dem "Geheimbund" weiter?

Die umstrittene katholische Glaubensbewegung Opus Dei verliert ihren Leiter: Der spanische Priester Javier Echevarría ist im Alter von 84 Jahren in Rom gestorben.

Der Bischof an der Spitze der umstrittenen katholischen Glaubensbewegung Opus Dei ist tot. Der Prälat des in Rom ansässigen "Werk Gottes", Javier Echevarría, starb an den Folgen einer Lungenentzündung am Montagabend in einem Krankenhaus in der italienischen Hauptstadt. Dies bestätigte der Pressesprecher von Opus Dei Deutschland, Hartwig Bouillon, am Dienstagmorgen. Der spanische Priester wurde 84 Jahre alt.
Echevarría war seit 1994 der Leiter der konservativen Bewegung. Kritiker betrachten Opus Dei als geheime katholische Gruppierung mit großen Einflussmöglichkeiten in Wirtschaft und Politik. Dass der Gründer Josemaría Escrivá de Balaguer y Albas (1902- 1975) 1992 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, hatte heftige Kritik ausgelöst. Länder mit starker Opus-Dei-Tradition sind Spanien, Argentinien oder Chile.
An der Spitze der Laienorganisation soll von nun an Fernando Ocáriz stehen. Ein Kongress zur Wahl des neuen Prälaten soll in einigen Wochen zusammentreffen, hieß es in einer Mitteilung. Die Wahl müsse anschließend vom Papst bestätigt werden. Weltweit zählt die Bewegung nach eigenen Angaben 90 000 Mitglieder, in Deutschland gehören ihr 600 Menschen an.

Opus Dei: Einflussreich und umstritten

Die Priester- und Laienorganisation Opus Dei (Werk Gottes) gilt als eine der einflussreichsten und konservativsten Gruppierungen in der katholischen Kirche. Sie soll das Verlangen der Mitglieder nach "christlicher Vollkommenheit" fördern. Gegründet im Jahr 1928 vom spanischen Priester Josemaria Escriva (1902-1975), gehören der Gruppe rund 80.000 Mitglieder in 80 Ländern an.

Wegen ihres oft im Hintergrund stattfindenden Wirkens und ihres politischen Einflusses gilt Opus Dei als von Geheimnissen umwittert. So wirkte die Organisation seit den 1950er-Jahren als starke Stütze der Diktatur von Francisco Franco in Spanien. Auch für das Militärregime von Augusto Pinochet in Chile (1973-1990) hegten Mitglieder der Organisation Sympathien.
Prominentestes Mitglied des Opus Dei in Österreich ist der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng. Er war vor seiner Bischofsweihe in Vorarlberg im Jahr 1989 Chef von Opus Dei in Österreich, wo der Orden seit 1957 aktiv ist. Er zählt 350 Mitglieder in Österreich, die Zahl der Sympathisanten wird mit 1.000 angegeben. Regionalvikar für Österreich ist der frühere Wirtschaftsberater Ludwig Juza.

Das steht hinter Opus Dei

Ziel des Opus Dei die "Heiligung des Alltags": Die Mitglieder sollen ihr Leben und ihre Arbeit ganz in den Dienst Gottes stellen sowie Gesellschaft und Staat "christianisieren". Außerdem gibt es strenge Gehorsams- und Bußregeln für die Mitglieder. "Wir haben den Ehrgeiz, die Institutionen der Völker, der Wissenschaft, der Kultur, Zivilisation, Politik, Kunst und sozialen Beziehungen zu heiligen und zu christianisieren", heißt es in einer Opus-Dei-Zeitschrift.
Weltweit in die Schlagzeilen geriet das "Werk Gottes" durch die Verfilmung des Kirchenkrimis "The Da Vinci Code", in dem ihn US-Autor Dan Brown als düsteren Geheimbund darstellte.
Sprecher des Opus Dei mussten sich schon zuvor immer wieder gegen Kritik verteidigen, man versuche wie ein "Geheimbund", Mitglieder systematisch in Schaltstellen der Gesellschaft einzuschleusen. Auch Bischöfe und Kardinäle gehören Opus Dei an oder sympathisieren mit der Organisation, die vor allem von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) gefördert wurde. Er machte mit Joaquin Navarro-Valls einen Opus-Dei-Mann zum Vatikansprecher und ließ Opus-Dei-Gründer Escriva im Jahr 2002 im Schnellverfahren heiligsprechen. Escrivas Nachfolger als Opus-Dei-Chef, Bischof Alvaro del Portillo y Diez de Sollano (1914-1994) wurde im Jahr 2014 unter Papst Franziskus freigesprochen.

Opus Dei und "Vatileaks"

Das Werk betreibt mehrere Universitäten und andere Bildungsstätten, vor allem in Spanien, wo die meisten Mitglieder leben. Manche Zeitungen und Rundfunkanstalten gelten als Opus Dei orientiert.
Allerdings geriet die Organisation auch in den Strudel der "Vatileaks"-Ermittlungen. So wurde der Opus-Dei-Priester Lucio Vallejo Balda im zweiten Vatileaks-Prozess im heurigen April zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt, weil er Vatikan-Gelder veruntreut haben soll.
Vor allem in den 1980er Jahren hatte die Organisation Negativ-Schlagzeilen gemacht: Ehemalige Mitglieder berichteten von fragwürdigen und sektenähnlichen Bekehrungsversuchen, vor allem bei jungen Leuten. Kritiker werfen Opus Dei vor, es arbeite der Öffnung der Kirche nach dem zweiten Vatikanischen Konzil entgegen.

In Deutschland hat Opus Dei nach eigenen Angaben inklusive der Mitarbeiter über tausend Mitglieder, die Regionalleitung ist in Köln. 2013 erstritten Mitglieder das Recht, in Potsdam ein Buben-Gymnasium zu errichten. Die Schule existiert aber noch nicht.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 19.09.2018 um 02:05 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/opus-dei-chef-javier-echevarria-gestorben-wie-geht-mit-dem-geheimbund-weiter-613915

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