Weltpolitik

Orban lobte erneut Trump und spricht von einer "großen Zeit"

Ungarns Premier Viktor Orban sieht im Wahlsieg von Donald Trump die "Rückkehr zur wahren Demokratie" und Befreiung aus der "Gefangenschaft" der politisch korrekten Redeweise. "Wir erleben große Tage und Zeiten", sagte der rechtskonservative Politiker am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in Budapest mit Blick auf Trumps Triumph in den USA.

Orban lobte erneut Trump und spricht von einer "großen Zeit" SN/apa (afp)

Der republikanische Präsidentschaftskandidat hatte im Wahlkampf mit sexistischen und rassistischen Äußerungen für Aufregung gesorgt. Für Orban scheinen dies aber eher Merkmale einer "wahren Demokratie" gewesen zu sein. "Wir können zu der vom lähmenden Zwang der politischen Korrektheit befreiten, direkten, ehrlichen Rede zurückkehren", meinte er. Darüber hinaus begrüßte er auch den Brexit als den "Versuch eines großen Volkes, auf andere Weise erfolgreich zu werden".

Orban hatte am Mittwoch als einer der ersten Regierungschefs Trump gratuliert und dabei - entgegen anderen europäischen Staatenlenkern - offene Begeisterung zum Ausdruck gebracht. Im eigenen Land pflegt Orbans Regierung eine fremdenfeindliche Rhetorik. Kritiker werfen ihr den Abbau der Demokratie vor.

Unterdessen gratulierte auch der kubanische Präsident Raúl Castro Trump zu dessen Wahlsieg. Castro sende Trump seine Glückwünsche, hieß es am Donnerstag in einem Bericht der kubanischen Parteizeitung "Granma". Direkt nach der Wahl in den USA hatte Kuba ein großes Militärmanöver angekündigt, um die Streitkräfte und die Bevölkerung auf feindliche Aktionen vorzubereiten.

Zuletzt hatten sich die einstigen Erzfeinde USA und Kuba vorsichtig angenähert und nach jahrzehntelanger Eiszeit wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Außerdem dürfen US-Firmen teilweise wieder Geschäfte mit Kuba machen. Das US-Handelsembargo gegen die sozialistische Karibikinsel ist allerdings weiterhin in Kraft.

Trumps Haltung zu Kuba ist unklar. Zunächst hatte er die Annäherung im Wahlkampf noch unterstützt. Später sagte er, die Schritte könnten auch wieder rückgängig gemacht werden, wenn Kuba nicht auf die Forderungen der USA eingehe.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau erklärte sich indes zu Neuverhandlungen über das Freihandelsabkommen Nafta bereit. "Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir offen sind für Gespräche über Handelsabkommen", sagte Trudeau am Donnerstag in Ottawa. "Wenn die Amerikaner über Nafta reden wollen, bin ich mehr als froh, darüber zu reden", sagte er.

Dabei müsse es darum gehen, wie Arbeiter und Bürger in beiden Ländern mehr Vorteile erhalten und wie das Wirtschaftswachstum vergrößert werden kann. Trudeau hatte mit Trump am Mittwoch telefoniert und ihm zu seinem Wahlsieg gratuliert. In dem kurzen Gespräch habe er auf die Bedeutung der Beziehungen zwischen beiden Ländern hingewiesen, sagte der kanadische Premier.

Trump hatte am Dienstag die Präsidentschaftswahl in den USA gegen die Demokratin Hillary Clinton gewonnen. Der für die Republikaner angetretene Rechtspopulist wetterte im Wahlkampf immer wieder gegen Freihandelsabkommen, bei denen die USA angeblich über den Tisch gezogen würden. Mit dieser Botschaft punktete er vor allem bei Arbeitern in den früheren Industriehochburgen im Mittleren Westen, die das 1994 mit Mexiko und Kanada geschlossene Nafta-Abkommen für die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verantwortlich machen.

Quelle: Apa/Dpa

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