Weltpolitik

Pakistan warnt vor Chaos in Afghanistan

Zur Abwehr einer humanitären Krise in Afghanistan hat Pakistan die USA aufgefordert, die seit August herrschenden Taliban getrennt von der Bevölkerung zu sehen. Die islamistischen Taliban hätten sich verpflichtet, die Bedingungen für eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zu erfüllen, sagte Premierminister Imran Khan am Sonntag auf einer außerordentlichen Sitzung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Islamabad.

Amir Khan Muttaqi (l.) zu Gast in Islamabad SN/APA/Ministry of Foreign Affairs
Amir Khan Muttaqi (l.) zu Gast in Islamabad

Die USA haben unter anderem das Vermögen der afghanischen Zentralbank in Höhe von mehr als 9,5 Milliarden Dollar (etwa 8,5 Milliarden Euro) eingefroren. Die Taliban sind diplomatisch isoliert, da ihre Regierung weder von einem Land noch von den Vereinten Nationen anerkannt wurde. Sie sind zudem mit Wirtschaftssanktionen konfrontiert, die eine finanzielle Unterstützung des Landes durch die USA und andere Geberländer blockieren.

Khan warnte davor, dass fehlendes "sofortiges Handeln" zu einem Chaos führen könne, von dem die mit den Taliban verfeindete Terrormiliz Islamischer Staat profitierten könnte. Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan al-Saud mahnte, eine humanitäre Krise in Afghanistan könnte zu weiterer Instabilität führen und den regionalen sowie internationalen Frieden gefährden.

Die Außenminister der 57 Mitgliedsländer sowie eingeladene Vertreter der USA, europäischer Staaten, Chinas, Russlands und Japans sowie der UN und der EU beraten in Islamabad, wie eine humanitäre Krise in dem zentralasiatischen Land abgewendet werden kann.

Die internationale Gemeinschaft hat die Taliban wiederholt aufgefordert, eine inklusive - auch Frauen umfassende - Regierung zu bilden und im Gegenzug für internationale Anerkennung die Frauen-und Menschenrechte zu achten. Der afghanische Außenminister Amir Chan Motaki sagte in Islamabad, seine Regierung sehe "die Menschenrechte, die Rechte der Frauen und die Beteiligung aller fähigen Afghanen aus den verschiedenen Regionen als unsere Pflicht an". Motaki hatte sich in einem offenen Brief an den US-Kongress gewandt und die Abgeordneten aufgefordert, die eingefrorenen Guthaben freizugeben, um einen Massenexodus von Flüchtlingen zu verhindern.

Es wurde erwartet, dass sich die Konferenz auf Schritte verständigt, wie den Menschen am Hindukusch stärker geholfen werden kann. Die humanitäre Lage in Afghanistan hat sich seit der Machtübernahme der Taliban rapide verschlechtert. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen leidet mehr als die Hälfte der 38 Millionen Einwohner Afghanistans unter einem Mangel an Nahrungsmitteln; der Hunger wird demnach von Tag zu Tag schlimmer.

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