Weltpolitik

Papst beschwört in Schweden Geist der Ökumene

Papst Franziskus und führende Vertreter der Protestanten haben zu Beginn des Gedenkjahres zum 500. Reformationsjubiläum den Willen zur Annäherung von katholischen und evangelischen Christen bekräftigt. Zum Abschluss seiner Reise nach Schweden appellierte der Papst am Dienstag in einer Messe an die Christen, für ihre Einheit zu arbeiten.

Wenn sie einander mit Sanftmut begegneten, werde es möglich, "dass wir alles, was uns trennt und entzweit, beiseitelassen und immer neue Möglichkeiten suchen, um auf dem Weg der Einheit voranzukommen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor Tausenden Menschen im Fußballstadion in Malmö. Der Papst las die Messe auf Lateinisch und in seiner Muttersprache Spanisch.

Am Montag hatte Franziskus in einer starken Geste seine Forderung nach einer weiteren Annäherung von Katholiken und Protestanten untermauert. Zum Auftakt des 500. Jubiläumsjahres der Reformation 2017 feierte er erstmals mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes einen Gottesdienst im südschwedischen Lund.

"Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurde", sagte Franziskus. In einer gemeinsamen Erklärung würdigten er und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Munib Younan, die ökumenischen Bestrebungen. "Während die Vergangenheit nicht verändert werden kann, kann das, woran man sich erinnert und wie man sich erinnert, verwandelt werden", hieß es darin.

Die Zahl der Katholiken in Schweden wird unterschiedlichen Angaben zufolge auf 113.000 bis 150.000 geschätzt, die der Protestanten wird mit 6,2 Millionen angegeben. Während die Mitglieder der katholischen Kirche zunehmen, nehmen diejenigen der evangelisch-lutherischen ab. Der Zuwachs bei den Katholiken ergibt sich unter anderem aus der Zuwanderung aus dem Ausland: derzeit aus den Kriegsländern Syrien und Irak, in den 80er-Jahren aus dem Libanon und in den 60er und 70er-Jahren aus Lateinamerika.

Auch in Deutschland, dem Geburtsland der Reformation, wurde die Sehnsucht nach einer weiteren Annäherung der Christen laut. Von den Feiern solle ein Signal des Aufbruchs und der Versöhnung ausgehen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in der Berliner Marienkirche. Erstmals werde der Reformationstag in ökumenischer Gemeinschaft begangen. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nannte die Reformation einen Grundstein für das Gemeinwesen in Deutschland.

Bis 31. Oktober 2017 erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit Hunderten Veranstaltungen an den Thesenanschlag Martin Luthers 1517 in Wittenberg. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Reformation, die zur Abspaltung der evangelischen von der katholischen Kirche führte. Auch in der Lutherstadt Wittenberg feierten am Montag Tausende Menschen das Reformationsfest.

Ohne die "Initialzündung" der Reformation gäbe es weder die Freiheit des Glaubens und des Gewissens noch die unveräußerlichen Grundrechte, sagte Gauck bei dem Festakt im Berliner Konzerthaus. Weil Luther es jedem Einzelnen freigestellt habe, ob er sich an das Evangelium bindet, sei "ein frischer Wind der Freiheit" in die Welt gekommen.

Bedford-Strohm bekräftigte den Stellenwert des Jubiläums für die Ökumene. "Heute sehnen sich evangelische und katholische Christen nach der Gemeinschaft", sagte er. Er sprach von "ökumenischer Zuversicht".

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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