Weltpolitik

Papst entschuldigte sich für Roma-Diskriminierung

Mit einer Entschuldigung an die Adresse der Roma hat Papst Franziskus am Sonntag seinen dreitägigen Rumänien-Besuch beendet. Er bitte um Vergebung für "all' die Zeiten in der Geschichte, in denen wir Euch diskriminiert, misshandelt oder misstrauisch betrachtet haben", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in Blaj in Siebenbürgen.

Papst Franziskus ist zu Besuch in Rumänien SN/APA (AFP)/ANDREAS SOLARO
Papst Franziskus ist zu Besuch in Rumänien

Zuvor hatte er sieben Bischöfe der katholischen Minderheit des Landes seliggesprochen. Auch Christen und Katholiken hätten sich an der Diskriminierung von Roma beteiligt, sagte der Papst bei einem Treffen mit Vertretern der ethnischen Minderheit in Blaj. Daher bitte er "im Namen der Kirche und Gottes" um Vergebung. Roma machen zehn Prozent der rumänischen Bevölkerung aus.

Die bis zu zwölf Millionen Sinti und Roma sind Europas größte ethnische Minderheit. Die Nationalsozialisten töteten aus Rassenhass mehr als eine halbe Million Angehörige der Volksgruppe. Auch heute noch werden viele der oft in Armut lebenden Menschen diskriminiert.

Vor seinem Treffen mit den Roma sprach Franziskus am dritten und letzten Tag bei einem Massengottesdienst in Blaj sieben Bischöfe selig. Er erklärte die unter kommunistischer Herrschaft gefolterten und schließlich in Haft verstorbenen Geistlichen zu "Märtyrern des Glaubens". An der Messe nahmen nach Angaben der Organisatoren etwa 60.000 Menschen teil.

Die Bischöfe waren in der Nacht auf den 29. Oktober 1948 von Agenten der kommunistischen Regierung Rumäniens festgenommen worden. Ihnen wurde "Hochverrat" vorgeworfen, weil sie sich weigerten, zum orthodoxen Mehrheitsglauben zu konvertieren. In der Haft wurden sie gefoltert und starben schließlich im Hausarrest in einem orthodoxen Kloster.

Heute leben noch etwa 200.000 Angehörige der griechisch-katholischen Kirche in Rumänien. Im Jahr 1948, als die Konfession de facto aufgelöst und in die orthodoxe Kirche eingegliedert wurde, waren es rund 1,5 Millionen. Die griechisch-katholische Kirche entstand im von den österreichischen Habsburgern beherrschten Ungarn Ende des 17. Jahrhunderts. Ein Teil der orthodoxen Gläubigen erkannte damals den Primat des Papstes an, durfte aber die Traditionen der Ostkirche beibehalten.

Am Samstag hatte Franziskus bei einem Massengottesdienst in Sumuleu-Ciuc die Vielfältigkeit des Landes gerühmt. Die Rumänen seien ein Volk, dessen Reichtum in "seinen unzähligen Gesichtern, Kulturen, Sprachen und Traditionen" zu sehen sei, sagte Franziskus vor Zehntausenden Menschen in der hauptsächlich von ethnischen Ungarn bewohnten Region Siebenbürgen. Die Pilger sollten keine Angst davor haben, "sich zu vermischen, einander zu umarmen und zu unterstützen".

Nach Angaben des Vatikan besuchten bis zu 100.000 Menschen den Gottesdienst. Die meisten Pilger waren Mitglieder der ungarischen Minderheit, aber die Organisatoren verwiesen auch auf rund 25.000 Menschen, die aus Ungarn, der Slowakei und der Ukraine angereist seien.

Für die katholische Minderheit im mehrheitlich orthodoxen Rumänien war der Besuch des Papstes eine Anerkennung ihrer Identität. Zuletzt hatte vor 20 Jahren mit Johannes Paul II. ein Papst Rumänien besucht.

Quelle: APA

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