Weltpolitik

Papst Franziskus verurteilt Gewalt im Namen Gottes

Einen Aufruf an alle Religionen, sich klar von Gewalttaten zu distanzieren, die im Namen Gottes verübt werden, hat Papst Franziskus am Donnerstag an rund 200 Teilnehmer eines interreligiösen Treffens gerichtet. Franziskus empfing Repräsentanten von Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und anderen Weltreligionen im Vatikan.

Papst Franziskus verurteilt Gewalt im Namen Gottes SN/APA (AFP)/TIZIANA FABI
Papst Franziskus richtete seine Ansprache an alle Religion.

Wenige Tage vor der feierlichen Schlusszeremonie des außerordentlichen Heiligen Jahres hob er vor den Religionsvertretern die universal gültige Bedeutung von Barmherzigkeit hervor. Anlass war der 30. Jahrestag des ersten Friedenstreffens der Religionen, das Papst Johannes Paul II. am 27. Oktober 1986 in Assisi veranstaltet hatte.

"Möge es nie mehr vorkommen, dass die Religionen aufgrund des Verhaltens einiger ihrer Gläubigen eine Botschaft von Misstönen aussenden, die in Kontrast zu derjenigen der Barmherzigkeit steht. Leider vergeht kein Tag, ohne dass man von Gewalttaten, Konflikten, Entführungen, terroristischen Attacken, Opfern und Zerstörungen hört. Und es ist schrecklich, dass diese barbarischen Akte teilweise im Namen einer Religion oder Gottes selbst verübt werden", so der eindringliche Appell von Franziskus. Diese Verhaltensweisen sollten "klar und deutlich verurteilt werden". Durch sie würden der Name Gottes geschändet und die religiöse Suche des Menschen verunreinigt.

Demgegenüber seien das friedliche Zusammentreffen von Gläubigen verschiedener Religionen und eine wirkliche Religionsfreiheit zu fördern, forderte der Papst seine Gäste auf. Das Heilig-Jahr-Motto Barmherzigkeit sei ein Thema, das allen Religionen gemein sein müsse, zeigte sich der Papst überzeugt. Es sei vor allem die tätige Barmherzigkeit, die aus "uneigennütziger Liebe, "geschwisterlichem Dienst" und "ehrlichem Teilen" bestehe. "Das ist der Weg, zu dem auch die Religionen aufgerufen sind, um speziell in unserer heutigen Zeit Botschafter des Friedens und Gemeinschaftsstifter zu sein; um im Gegensatz zu denjenigen, die Konflikte, Spaltungen und Abschottung fördern, zu verkünden, dass heute die Zeit der Geschwisterlichkeit ist."

Dabei sei es unerlässlich, dass die einzelnen Religionen sich auf Augenhöhe und ohne Anbiederung begegneten, fuhr der Papst fort. Vielen Religionen und Kulturen sei das Streben nach Gewaltlosigkeit und Mitgefühl für den Nächsten gemein: "Sich um diejenigen zu kümmern, die schwierige Situationen erleben, wie Krankheit, Behinderung, Armut, Ungerechtigkeit sowie die Konsequenzen von Konflikten und Migration, ist ein Ruf, der aus dem Herzen einer jeden wirklich religiösen Tradition kommt. Es ist das Echo der Stimme Gottes, der zum Gewissen eines jeden spricht und ihn einlädt, die Selbstbezogenheit zu überwinden und sich zu öffnen."

Die heutige Welt brauche diese freie und uneigennützige Liebe, die über momentane Tröstungen hinausgeht und Vergebung und Versöhnung bringe. Vergebung sei "sicherlich das höchste Geschenk, das wir dem Nächsten machen können, denn sie kostet uns am meisten, aber gleichzeitig ist sie es, die uns Gott am ähnlichsten macht".

Quelle: APA

Aufgerufen am 14.11.2018 um 10:00 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/papst-franziskus-verurteilt-gewalt-im-namen-gottes-920545

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