Weltpolitik

Papst zu Versöhnungsreise nach Kolumbien gestartet

Papst Franziskus ist am Mittwochvormittag zu einem Besuch nach Kolumbien aufgebrochen. Exakt um 11:12 Uhr startete der Papst an Bord einer Sondermaschine der Alitalia vom römischen Flughafen Fiumicino nach Bogota, wie Kathpress berichtete. Wegen des Hurrikans Irma wird die Flugroute vermutlich leicht südwärts verlagert.

Papst will Friedensprozess zwischen Regierung und FARC unterstützen.  SN/APA (AFP)/ANDREAS
Papst will Friedensprozess zwischen Regierung und FARC unterstützen.

In Kolumbien wird der Papst um 23.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Flughafen von Bogota von Staatspräsident Manuel Santos erwartet. Anschließend soll Franziskus im offenen Papamobil knapp eine Stunde in sein Quartier in der Vatikanbotschaft fahren. Entlang der 15 Kilometer langen Strecke rechnen die Veranstalter mit Hunderttausenden Schaulustigen.

Im Mittelpunkt der 20. Auslandsreise und fünften Lateinamerikareise von Franziskus steht die nationale Versöhnung nach dem jahrzehntelangen blutigen Konflikt zwischen dem Staat und der linken FARC-Guerilla. Weitere Themen des bis Sonntag dauernden Besuchsprogramms in vier Städten sind der Einsatz der Kirche für die Armen, der Schutz bedrohter Naturräume, innerkirchliche Erneuerung, Menschenrechte und soziale Gegensätze in Kolumbien.

Franziskus ist nach Paul VI. (1968) und Johannes Paul II. (1986) der dritte Papst, der nach Kolumbien kommt. Neben großen Gottesdiensten in der Hauptstadt Bogota, in Villavicencio, Medellin und Cartagena sind Begegnungen mit den Spitzen des Staates sowie mit Vertretern der Kirche Lateinamerikas geplant. Erwartet wird auch, dass Franziskus zwei ermordete katholische Priester als Märtyrer seligspricht. Der Papst reist auf Einladung von Präsident Santos und der kolumbianischen Bischöfe in das lateinamerikanische Land. Eine Begegnung mit Vertretern der FARC ist offiziell nicht vorgesehen.

Der Kolumbienbesuch werde vor allem pastoralen Charakter haben, betonte der vatikanische Chefdiplomat, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, in einem "Radio Vatikan"-Interview unmittelbar vor Beginn der Reise. Nichtsdestotrotz steht der Besuch im Zeichen des begonnenen gesellschaftlichen Versöhnungsprozesses in dem südamerikanischen Land nach Jahrzehnten eines blutigen Konflikts mit der FARC-Guerilla. Es sei "ein sehr spezieller Moment im Leben Kolumbiens", betonte Parolin.

Der Papst wolle den angelaufenen Friedensprozess unterstützen. Es reiche schließlich nicht, bloß irgendein Dokument zu unterzeichnen, so der Kardinalstaatssekretär: "Der Friede ist noch keine Gegenwart, ist noch nicht lebendig und wirklich, solange nicht wirklich eine innere Versöhnung im kolumbianischen Volk einsetzt."

Franziskus hatte eine Visite in dem südamerikanischen Land für den Fall zugesagt, dass der Friedensprozess mit der Guerilla-Organisation FARC zu einem glücklichen Ende käme. Das entsprechende Abkommen passierte Ende vergangenen Jahres das Parlament in Bogota. Vor wenigen Tagen wurde auch eine Waffenruhe mit der kleineren Rebellengruppe ELN beschlossen. Der mehr als fünf Jahrzehnte dauernde Bürgerkrieg forderte Zehntausende Menschenleben, Millionen wurden zu Flüchtlingen.

Aus Sicht des Vorsitzenden der Kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Oscar Urbina Ortega, ist der Papst-Besuch im Land maßgeblich für die weitere Stabilität des noch jungen Friedensschlusses. Das mit der FARC geschlossene Abkommen sei in der Anfangsphase. Notwendig sei "eine gemeinsame Anstrengung von Kirche, Staat, verschiedenen Vereinigungen, Laien und Ordensleuten, von allen Kolumbianern und Kolumbianerinnen, sowie allen Menschen guten Willens nötig, um einen echten Versöhnungsprozess zu beginnen", so Erzbischof Ortega. Papst Franziskus sei in der Lage, Brücken zwischen den gegensätzlichen Positionen zu schlagen, die Kolumbien viel zu lange blockiert hätten.

Kolumbiens Staatspräsident Juan Manuel Santos sagte im Vorfeld, der Papst komme "mit einer Botschaft der Versöhnung". Nach 53 Jahren Konflikt werde es Zeit brauchen, Frieden zu schaffen. "Kolumbien ist nach dem Frieden mit der FARC kein Paradies auf Erden", so der Friedensnobelpreisträger.

Quelle: APA

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