Weltpolitik

Pariser Staatsanwaltschaft fordert Prozess gegen Tapie

In der Affäre um eine umstrittene staatliche Millionen-Entschädigungszahlung droht dem französischen Geschäftsmann Bernard Tapie ein Prozess. Die Pariser Staatsanwaltschaft will Anklage wegen Betrugs gegen den schillernden Unternehmer erheben, wie am Mittwoch aus Justizkreisen verlautete.

Tapie erhielt 400 Millionen Euro Schadenersatz.  SN/AFP/GERARD JULIEN
Tapie erhielt 400 Millionen Euro Schadenersatz.

Auch fünf weitere Beschuldigte sollen in der Affäre um die mehr als 400 Millionen Euro Schadenersatz für Tapie vor Gericht. Unter ihnen ist der Chef des Telekommunikationsriesens Orange, Stephane Richard. In der Affäre war die frühere französische Finanzministerin und heutige IWF-Chefin Christine Lagarde im Dezember der Fahrlässigkeit im Amt schuldig gesprochen worden. Dabei ging es um ein privates Schiedsgericht, das dem einstigen Adidas-Besitzer Tapie 2008 inklusive Zinsen 404 Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen hatte.

Damit sollte ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Tapie und dem französischen Staat um den Verkauf des Sportartikelherstellers Mitte der 90er Jahre beendet werden. Tapie warf der damals staatlichen Bank Credit Lyonnais vor, ihn bei dem Geschäft hintergangen zu haben.

Der Schiedsspruch zugunsten von Tapie wurde später aber vom Pariser Berufungsgericht in einem Zivilverfahren wegen Betrugsverdachts gekippt. Unter anderem gab es enge Verbindungen zwischen Tapies Anwalt Maurice Lantourne und einem der Mitglieder des privaten Schiedsgerichts, Pierre Estoup.

Die Pariser Staatsanwaltschaft will jetzt sechs Beschuldigte wegen bandenmäßig organisierten Betrugs vor Gericht bringen. Darunter ist neben Tapie, Lantourne und Estroup auch Orange-Chef Richard.

Der war damals Lagardes Bürochef im Finanzministerium und soll maßgeblich dazu beigetragen haben, dass das Ministerium dem Schiedsverfahren zustimmte und später gegen den Schiedsspruch keine Rechtsmittel einlegte. Nun müssen Untersuchungsrichter entscheiden, ob sie dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine Anklageerhebung folgen.

Ein Sondergericht hatte Lagarde im vergangenen Dezember schuldig gesprochen, in der Affäre nachlässig gehandelt und damit ihre Amtspflichten verletzt zu haben. Auf eine Strafe gegen die Chefin des Internationalen Währungsfonds verzichtete das Gericht aber.

Quelle: Apa/Ag.

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