Peking demonstriert, dass Geld die Welt regiert

Trumps Amerika wendet sich vom internationalen Handeln ab. Deshalb kann China behaupten, die Welt anzuführen.

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Standpunkt Helmut L. Müller

Solange die Volksrepublik China vor allem mit dem ökonomischen Aufstieg beschäftigt war, trat der asiatische Riese außenpolitisch auf leisen Sohlen auf. Mittlerweile lässt die Führung in Peking aber keinen Zweifel mehr daran, dass das Land auf dem Sprung zur globalen Gestaltungsmacht ist. China weitet seine Präsenz überall auf der Welt aus; und Chinas selbstbewusster Präsident Xi Jinping betont, dass er die
internationalen Angelegenheiten maßgeblich mitbestimmen wolle.

Nach zwei Jahrhunderten, in welchen US-Amerikaner und Europäer die globalen Geschicke gesteuert haben, kehrt China zu seiner angestammten Position zurück. Dass China für sich eine zentrale Rolle in der Welt reklamiert, wurzelt tief in der Tradition des Landes. Als "Reich der Mitte" hat sich China ja selbst benannt und verstanden. Die Weichen für die jüngste Weltveränderung hat Ende der 1970er-Jahre Deng Xiaoping gestellt, als er die Politik der Reform und der Öffnung einleitete. Aber profitiert hat China bei seinem wirtschaftlichen Fortkommen auch von der
Globalisierung, die gerade die USA vorangetrieben haben.

US-Präsident Donald Trump ist es zuzuschreiben, dass sich China jetzt als globale Alternative ins Schaufenster stellen kann. Trumps Rhetorik ist protektionistisch und isolationistisch. So vermag sich Xi als Wortführer des freien Welthandels zu inszenieren, obwohl China westlichen Unternehmen weiterhin den Zugang zu seinem Markt versperrt.

Trump erklärt dem Klimaschutz eine Absage. Prompt springt Xi in die Bresche und gibt den Retter des Weltklimas, obwohl sein Land noch immer der größte Umweltverschmutzer ist.

Trump kündigt die Transpazifische Partnerschaft (TPP). Das ist eine Einladung an Xi, in der asiatischen Region eine eigene Handelsinitiative zu starten.

Pekings Außenwirtschaftspolitik umspannt mittlerweile fast den gesamten Globus. Mit Kapital kauft sich Chinas Führung politischen Einfluss. Manche Länder in Asien sind schon in völlige Abhängigkeit von Peking geraten. Auch bei europäischen Ländern nutzt Peking inzwischen den Hebel, sich via Geld politisches Wohlwollen zu sichern.

Als Einzelakteure stehen EU-Staaten im Ringen mit dem Riesen China auf verlorenem Posten. Gemeinsames Handeln ist vonnöten. China muss auch in den westlichen Medien viel stärker als bisher in den Fokus rücken. Punktuelle Aufmerksamkeit bei Parteitagen in Peking reicht längst nicht mehr aus.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 09:26 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/peking-demonstriert-dass-geld-die-welt-regiert-22416553

Der Einfluss Chinas wächst

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