Weltpolitik

Perus Ex-Präsident Alejandro Toledo auf der Flucht

Der peruanische Präsident Pablo Kuczynski hat seinen US-Amtskollegen Donald Trump gebeten, zusammen mit dem US-Außenministerium zu prüfen, ob sein gesuchter Vorgänger Alejandro Toledo "zurück nach Peru geschickt" werden könne, berichtete die amtliche peruanische Nachrichtenagentur Andina am Sonntag. Die peruanischen Behörden vermuten, dass sich Toledo in San Francisco aufhält.

Toledo soll Flugtickets nach Tel Aviv gekauft haben.  SN/APA (AFP)/CRIS BOURONCLE
Toledo soll Flugtickets nach Tel Aviv gekauft haben.

Zuvor hatte die Regierung in Lima mitgeteilt, die US-Regierung verlange zusätzliche Informationen im Zusammenhang mit dem Auslieferungsersuchen. In einer Information des Weißen Hauses über ein Telefonat Trumps mit Kuczynski wurde Toledo aber nicht erwähnt. Demnach sprachen die beiden Präsidenten über die "humanitäre Lage" und andere Probleme in Venezuela.

In Peru war zuvor berichtet worden, der 70-Jährige plane, sich nach Israel abzusetzen. Medienberichten zufolge sollen er und seine Frau, die Belgierin Eliane Karp, Flugtickets nach Tel Aviv gekauft haben. Das Ehepaar ist in Israel sehr gut vernetzt, Karp soll auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzen. Zudem soll ein israelischer Geschäftsmann als Mittelsmann für korrupte Machenschaften während Toledos Amtszeit (2001-2006) gedient haben.

Israels Regierung versicherte, dass sie dem der Korruption bezichtigten Ex-Staatschef die Einreise verweigern werde. "Toledo wird nur nach Israel kommen können, wenn seine Angelegenheiten in Peru geklärt sind", teilte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums am Sonntag mit.

Die peruanische Justiz hatte vergangene Woche einen internationalen Haftbefehl gegen Toledo ausgestellt. Der Ex-Staatschef soll umgerechnet rund 18,6 Millionen Euro Bestechungsgelder angenommen haben. Die Korruptionsvorwürfe stehen im Zusammenhang mit dem Skandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht, der sich mittels Schmiergeldern Aufträge gesichert haben soll. Odebrecht steht auch im Fokus der Korruptionsaffäre um den staatlichen brasilianischen Ölkonzern Petrobras, der derzeit das Nachbarland erschüttert.

Der frühere Odebrecht-Chef in Peru, Jorge Barata, hatte zugegeben, dass sein Unternehmen der Regierung unter Toledo die Schmiergelder für einen Auftrag zum Bau der Interozeanischen Autobahn zwischen Brasilien und Peru gezahlt habe. Mittelsmann war Medienberichten zufolge Toledos ehemaliger Sicherheitschef, Avraham Dan On.

Der 70-jährige Toledo, der von 2001 bis 2006 peruanischer Staatschef war, weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Sein Anwalt Heriberto Benitez kündigte an, gegen die angeordnete Untersuchungshaft vorzugehen. Er hatte das Gericht aufgefordert, Toledo lediglich vorzuladen. Der mit dem Fall betraute Richter Richard Concepcion erklärte jedoch, dass Toledo "mit hoher Wahrscheinlichkeit" Schmiergelder angenommen habe.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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