Weltpolitik

Polen: Trauer und Demos nach Tod von Danziger Bürgermeister

Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz ist an den Folgen eines Messerangriffs gestorben. Der 53-Jährige erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen, wie Gesundheitsminister Lukasz Szumowski am Montag im polnischen Fernsehen TVN24 bestätigte. Man habe ihn nicht retten können. In ganz Polen kam es zu spontanen Trauerkundgebungen und Demonstrationen gegen Hass und Gewalt.

Tausende Menschen bei Trauerkundgebung in Warschau SN/APA (AFP)/JANEK SKARZYNSKI
Tausende Menschen bei Trauerkundgebung in Warschau

Allein in Warschau versammelten sich am Montagabend unter dem Motto "Stopp dem Hass" Tausende Menschen, wie die Agentur PAP meldete. Ähnliche Trauerkundgebungen fanden in weiteren Städten statt. In Danzig sagte der EU-Ratspräsident, Polens Ex-Regierungschef Donald Tusk, PAP zufolge: "Ich verspreche Dir heute, lieber Pawel, dass wir für Dich unser Danzig, unser Polen und unser Europa von Hass befreien werden."

Auch das EU-Parlament hat Pawel Adamowicz am Montag gedacht. "Wer ihn kannte, wusste um seine Bürgernähe und um seine Fähigkeit zuzuhören", sagte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani am Montag zu Beginn der Plenarsitzung in Straßburg. Anschließend hielten die Abgeordneten eine Schweigeminute ab - auch für die Opfer des Terrorangriffs von Straßburg vor rund einem Monat.

Bis zuletzt hatten Ärzte des Danziger Universitätsklinikums um das Leben des parteilosen Bürgermeisters gekämpft, nachdem dieser am Sonntagabend auf offener Bühne bei einer Spendenveranstaltung von einem Angreifer mit einem Messer niedergestochen worden war. "Trotz all unserer Bemühungen haben wir ihn nicht retten können", sagte der Arzt Tomasz Stefaniak am Montag laut der Nachrichtenagentur PAP. Die Klinge war nach Behördenangaben fast 15 Zentimeter lang.

Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, in dem Fall nun wegen Mordes zu ermitteln. Der Täter - ein 27-jähriger Danziger - habe aus niederen Beweggründen gehandelt, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak. Hinter der Tat wurde Rache vermutet. Der Mann soll gerufen haben, dass er unschuldig in Haft gewesen sei, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. Ermittler schlossen eine psychische Erkrankung des Angreifers nicht aus.

Der Mann ist polnischen Behörden zufolge bereits vorbestraft und hatte wegen einer bewaffneten Banküberfallserie schon fünfeinhalb Jahre in Haft gesessen. Berichten zufolge war er erst im Dezember freigekommen.

Adamowicz war seit 1998 Bürgermeister der Hafenstadt und gehörte bis 2015 der derzeitigen Oppositionspartei Bürgerplattform PO an. Nach Angaben des Innenministeriums wurde er nach dem Angriff zunächst reanimiert. Anschließend sei er im Krankenhaus fünf Stunden lang operiert worden, sagte sein behandelnder Arzt Tomasz Stefaniak. Adamowicz hatte demnach Verletzungen an Herz, Zwerchfell und Organen im Bauchraum erlitten und viel Blut verloren.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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