Weltpolitik

"Präsident" von Luhansk berichtet von Putschversuch

Der selbsternannte Präsident von Luhansk in der Ostukraine hat einen Putschversuch in der Separatistenregion angeprangert. Igor Plotnizki beschuldigte seinen ehemaligen Innenminister Igor Kornet in einer Videobotschaft eines "bewaffneten Versuchs zur Machtergreifung". Ein AFP-Reporter berichtete über Panzer vor dem Regierungssitz der "Republik Luhansk" und vor dem Haus des Innenministers.

Kälte bedroht die Menschen der Ostukraine SN/APA (AFP)/ALEKSEY FILIPPOV
Kälte bedroht die Menschen der Ostukraine

Am Dienstag hatten hunderte bewaffnete Männer in Militäruniformen ohne Hoheitsabzeichen die Zufahrtsstraße zum Parlament und dem Regierungssitz der selbsternannten Republik abgeriegelt. Der selbsternannte Präsident der Region Luhansk und sein früherer Innenminister liefern sich einen Machtkampf. Am Montag entließ Regionalführer Plotnizki seinen Minister. Einen Tag später dementierte Innenminister Kornet seine Entlassung über die Nachrichtenagentur der Separatisten. Der "Präsident" warf ihm daraufhin vor, sich an die Macht zu klammern und die Region damit zu destabilisieren.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte am Mittwoch in Moskau, Russland sei sich der Vorgänge in der Ostukraine bewusst. Er verweigerte zunächst jedoch jeglichen Kommentar.

Im Osten der Ukraine herrscht seit mehr als drei Jahren ein blutiger Konflikt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Dabei wurden bisher mehr als 10.000 Menschen getötet. Die ukrainische Regierung, die EU und die USA werfen Russland vor, die Separatisten militärisch zu unterstützen. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

Internationale Hilfsorganisationen bezeichneten die humanitäre Lage in der Ostukraine als "alarmierend". Mehr als drei Jahre nach Beginn des bewaffneten Konflikts nehme das menschliche Leid in der Region "nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit" weiter zu, erklärten die in der Ukraine engagierten internationalen und lokalen humanitären Organisationen am Mittwoch nach einer Konferenz in Berlin.

Zu dem Treffen eingeladen hatte das Acces-Konsortium, zu dem die Organisationen People in Need, Action contre la Faim, Doctors of the World/Médecins du Monde und Acted/Reach gehören. An die Konfliktparteien und die politischen Entscheidungsträger richteten die Organisationen den dringenden Appell, "mehr zu unternehmen, um die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung zu stillen". Die humanitäre Hilfe sei "unterfinanziert".

Rund vier Millionen Menschen im Osten der Ukraine "befinden sich in einer kritischen Lage", erklärten die Organisationen. An der von der Europäischen Kommission unterstützten Konferenz unter dem Motto "Die Ukraine: eine vergessene humanitäre Krise innerhalb Europas?" nahmen Nichtregierungsorganisationen, Politiker, Vertreter der Zivilgesellschaft, der EU und der Vereinten Nationen teil.

"Die Lage verschlechtert sich für Millionen Menschen", warnte Sebastien Lambroschini von Acted/Reach. 35 bis 40 Prozent der entlang der "Frontlinie" lebenden Bevölkerung seien ältere Menschen, die von der sich zusehends verschlechternden Lage besonders betroffen seien. In den von der Regierung kontrollierten und für die Organisationen zugänglichen Gebieten gebe es eine "substanzielle Armutskrise" mit einer Armutsquote von rund 20 Prozent.

Zu Beobachten sei zudem eine prekäre Versorgungslage, die nicht durch einen Mangel an Lebensmitteln verursacht werde, sondern insbesondere dadurch, dass die Menschen beträchtliche Teile ihres monatlichen Einkommens statt für Lebensmittel für medizinische Versorgung aufwenden müssten. Die medizinische Versorgung habe sich in den Konfliktgebieten erheblich verschlechtert.

"Es ist höchste Zeit, dass alle involvierten Akteure gemeinsam nach einer umsetzbaren Lösung suchen", erklärten die Organisationen angesichts der derzeit stagnierenden Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts. Die Bevölkerung in den Konfliktgebieten im Donbass benötige "dringend Hilfe".

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 17.10.2018 um 11:31 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/praesident-von-luhansk-berichtet-von-putschversuch-20820436

Kommentare

Schlagzeilen