Weltpolitik

Prekäre Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Griechenland

Die Lebensbedingungen der in Griechenland gestrandeten Flüchtlinge sind weiter prekär. Ihnen machen in unzulänglichen Unterkünften unter anderem die aktuell kalten Witterungsbedingungen zu schaffen. Aber auch die medizinische Versorgung und die Sicherheit lassen zu wünschen über, heißt es in kritischen Berichten. Mitunter muss die Zivilgesellschaft aushelfen.

Ein Flüchtlingscamp im Norden Athens.  SN/APA (AFP/Archiv)/ANGELOS TZORTZI
Ein Flüchtlingscamp im Norden Athens.

Nach den neuesten Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR kamen bis zum 26. Oktober 169.459 Menschen in Griechenland an, 151.452 davon jedoch von Jänner bis Ende März 2016, also vor Inkrafttreten des Türkei-Abkommens am 20. März. Dennoch harren nach wie vor über 15.000 Menschen auf den Inseln aus, deren Kapazität mit knapp über 8.000 angegeben wird.

Die nationale Kommission für Menschenrechte (EEDA) veröffentlichte jüngst einen Bericht über die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in manchen Aufnahmezentren Griechenlands, dessen Daten bei Besuchen in sechs Aufnahmezentren gesammelt wurden. Darin werden sowohl "unzureichende, problematische und ungeeignete Unterbringungsmöglichkeiten" als auch die mangelhafte Ernährung kritisiert, welche die griechischen Streitkräfte den Flüchtlingen zuteil werden lassen.

Während die Regierung des Linkspopulisten Alexis Tsipras versichert, dass sie alles tue, um das Leben der Flüchtlinge erträglicher zu machen, beurteilt die EEDA die Lage äußerst kritisch. Es gebe auch akute Sicherheitsprobleme, welche manche Flüchtlinge verängstige. Etwa wegen Gewalttaten anderer Migranten, die mit kriminellen Machenschaften wie Drogen- oder Waffenhandel zu tun hätten.

Bemängelt wurde auch die unzureichende medizinische Versorgung. Auf rund tausend Flüchtlinge komme gerade einmal ein Militärarzt. Der Mangel an wirklich geschultem medizinischem Personal werde in der Regel durch NGOs wettgemacht. Knapp vor Weihnachten traten mehrere Migranten im Flüchtlingscamp Souda am Rande der Hauptstadt der Ägäis-Insel Chios in einen Hungerstreik. Stromausfälle und Probleme mit der Wasserversorgung im Camp, waren die wichtigsten Ursachen für den Aufruhr.

Das Parlament in Athen hielt am 23. Dezember seinerseits eine Veranstaltung für unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder ab. Tsipras wiederholte im Rahmen dieser Veranstaltung, dass die aktuelle Flüchtlingskrise die größte seit dem Zweiten Weltkrieg sei. Wo die Behörden nicht mehr zurande kommen, muss aber die Zivilgesellschaft einspringen: Eine NGO und ein Bürger aus Griechenland waren kürzlich unter jenen fünf Personen, die mit dem Zivilgesellschaftspreis des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA)ausgezeichnet wurden.

Die Preise wurden für herausragende Solidarität mit Migranten vergeben und gingen an die NGO "Iliachtida" (Sonnenstrahl) und den als "Bäcker von Kos" bekannt gewordenen Dionyssis Arvanitakis, der auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr auf der Insel Kos mehr als 100 Kilogramm Brot unentgeltlich gebacken und an die Flüchtlinge verteilt hatte.

Quelle: APA

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