Weltpolitik

Premier: Asia Bibi kann Pakistan bald verlassen

Der pakistanische Premierminister Imran Khan hat bestätigt, dass sich die wegen Blasphemie ursprünglich zum Tode verurteilte und Anfang des Jahres endgültig freigesprochene Christin Asia Bibi nach wie vor in Pakistan aufhält, wie Kathpress meldet.

Asia Bibi wird in ihrer Heimat noch immer bedroht SN/APA (AFP)/ARIF ALI
Asia Bibi wird in ihrer Heimat noch immer bedroht

Sie sei noch immer im Land, "weil es ein wenig Komplikationen" gebe, über die er nicht in den Medien sprechen wolle, sagte der pakistanische Regierungschef der britischen BBC in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Bibi sei aber sicher und werde "innerhalb von Wochen" aus Pakistan ausreisen können, so Khan.

Anfang Februar hatten Medien unter Verweis auf Angaben des ehemaligen Rechtsanwalts der Frau berichtet, sie sei schon in Kanada in Sicherheit, was sich dann aber nicht bestätigte. Andere Vertraute berichteten in den vergangenen Wochen, dass sich Asia Bibi zusammen mit ihrem Mann weiterhin unter Behördenschutz an einem geheimen Ort in Pakistan aufhält. Vermutet wird, dass sie nach Kanada ausreisen will, das ihr Asyl angeboten hat und wo auch ihre Töchter bereits leben.

Asia Noreen, genannt Asia Bibi, war im Jahr 2009 auf Basis der berüchtigten Blasphemiegesetze Pakistans in ihrem Heimatort in der Region Punjab festgenommen worden. Muslimische Kolleginnen hatten die katholische Landarbeiterin beschuldigt, durch das Trinken aus demselben Gefäß das Wasser verunreinigt und den Propheten Mohammed beleidigt zu haben.

Sie bestritt die Vorwürfe, wurde aber verhaftet und im November 2010 in erster Instanz zum Tod durch den Strang verurteilt. Im Oktober 2014 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil, im Juli 2015 setzte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe aus und machte damit den Weg frei für eine erneute Anhörung. Diese verzögerte sich immer wieder, endete aber letztlich Ende Oktober 2018 mit einem Freispruch.

Nach dem Urteil verlangten Islamisten mit gewaltsamen Protesten eine Vollstreckung der Todesstrafe. Die pakistanische Regierung sagte daraufhin zu, Asia Bibi keine Ausreise zu genehmigen bis das Oberste Gericht über eine etwaige Revision des Freispruchs befindet. Am 29. Jänner 2019 bestätigten die Richter den Freispruch.

Menschenrechtsaktivisten sehen in Asia Bibi ein Symbol für den Missbrauch der Blasphemiegesetze in Pakistan, die laut Kritikern häufig zur Lösung persönlicher Konflikte herangezogen werden. 95 Prozent der Bevölkerung in Pakistan sind Muslime. Der Rest sind religiöse Minderheiten: Christen, Hindus, Sikhs und Parsen. Zur katholischen Kirche bekennen sich rund 1,5 Millionen Menschen. Insgesamt leben in Pakistan sechs Millionen Christen, die zusammen etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Quelle: APA

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