Weltpolitik

Putin droht indirekt mit Eskalation in Syrien

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den USA vorgeworfen, seine Bemühungen um eine gemeinsame Strategie zur Beendigung des Blutvergießens in Syrien zu hintertreiben. Zugleich drohte er indirekt mit einer weiteren militärischen Eskalation. Sein Land zeige anders als die USA Zurückhaltung. "Aber alles hat seine Grenzen. Wir könnten reagieren", sagte Putin am Donnerstag in Sotschi.

Putin droht indirekt mit Eskalation in Syrien SN/APA (AFP)/MIKHAIL KLIMENTYEV
Putin schwebt langfristges Programm vor.

"Eine vereinigte Front zur Zerschlagung des Terrorismus ist nicht zustande gekommen", sagte Putin mit Blick auf die gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und Russland über eine Waffenruhe für Syrien. In Washington habe es Kräfte gegeben, die ihr Bestes gegeben hätten, damit die Vereinbarungen nicht verwirklicht würden.

Putin verteidigte das vom Westen scharf kritisierte russische Vorgehen an der Seite von Machthaber Bashar al-Assad. Russland habe keine andere Option, als das "Nest von Terroristen" in Aleppo zu beseitigen, obwohl es dort auch Zivilisten gebe. Nicht nur dort gebe es aber zivile Opfer. Man müsse um die Opfer solcher Konflikte überall trauern, sagte er mit Hinweis auf getötete Zivilisten beim Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" im irakischen Mosul. "Die Glocken sollten für alle unschuldigen Opfer läuten, nicht nur für die in Aleppo."

Mit Blick auf andere Krisen in der Region kündigte der russische Staatschef militärische Zurückhaltung an. Gefragt, ob Russland ähnlich wie in Syrien auch in Libyen oder dem Irak eingreifen wolle, sagte er: "Nein, wir planen dies nirgendwo."

Putin forderte bei der vom kremlnahen Waldaj-Debattierklub organisierten internationalen Konferenz auch einen Marshall-Plan zum Wiederaufbau des Nahen Ostens. "Die kolossale Zerstörung verlangt die Entwicklung eines langfristigen und komplexen Programms. Wenn Sie so wollen, eine heutige Form eines "Marshall-Plans" für eine Wiederbelebung dieser von Kriegen und Konflikten gequälten Region", sagte der Kreml-Chef.

An der Konferenz nahm auch der frühere Bundespräsident Heinz Fischer teil, der in seinem live im russischen Staatsfernsehen übertragenen Debattenbeitrag für mehr wechselseitiges Verständnis zwischen der EU und Russland aufrief. Aleppo nannte er als Symbol dafür, wie schwierig es sei, Anti-Terror-Kampf und das Bombardieren unschuldiger Zivilisten voneinander zu unterscheiden.

Quelle: Apa/Dpa

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