Weltpolitik

Putin zu "Prestige"-Besuch in Serbien

Russlands Präsident Wladimir Putin besucht am Donnerstag Serbien. Er wird wie ein Rockstar empfangen: Unter anderem ist eine Willkommensparade durch Belgrad geplant, die ihren Höhepunkt am gewaltigen Dom des Heiligen Sava finden soll, eines der größten Gotteshäuser des orthodoxen Christentums. Putins Besuch wird aber offenbar nicht von allen Bürgern mit gleicher Begeisterung begrüßt.

Der Besuch dient hauptsächlich Putins politischem Prestige SN/APA (AFP)/ANDREJ ISAKOVIC
Der Besuch dient hauptsächlich Putins politischem Prestige

In mehreren Städten in der Vojvodina tauchten am Donnerstag Aufkleber mit der Aufschrift "Putin go home" auf. Unterzeichnet wurden sie von einer Organisation, die sich "Junge Vojvodina" nennt. In der Hauptstadt der autonomen serbischen Provinz Vojvodina, Novi Sad, wurde laut Medienberichten auch ein Spruchband mit der Aufschrift "Serbien ist nicht Russland" angebracht.

Eine andere Situation herrschte hingegen in dem von Serben bewohnten Norden des Kosovo, wo anlässlich des Besuches des russischen Staatsoberhauptes überall russische Flaggen und Werbeplakate mit der Aufschrift "Wir sind Brüder" und "Gott ist mit uns" zu sehen war.

Bei seinem Besuch trifft Putin neben Serbiens Präsidenten Aleksandar Vucic auch den Führer der bosnischen Serben, Milorad Dodik. Putins Besuch diene hauptsächlich seinem "politischen Prestige", sagte Maxim Samorukow vom Institut Carnegie Endowment for International Peace. Der Präsident wolle zeigen, dass es "russischen Einfluss in allen Teilen der Welt" gebe.

Medienberichten zufolge dürften sich am späten Nachmittag etwa 70.000 Bürger vor dem Belgrader Dom des Heiligen Sava versammeln, die Putin in Begleitung seines serbischen Amtskollegen Aleksandar Vucic besichtigen soll. Russland finanziert mit etwa zehn Millionen Euro die Anfertigung von Ikonen.

Die Anreise von Bewunderern des russischen Präsidenten aus dem Landesinneren nach Belgrad wurde laut früheren Medienberichten von lokalen Organisationen der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) organisiert.

Serbien strebt zwar eine Mitgliedschaft in der EU an, hat aber weiterhin enge Beziehungen zu Moskau. Obwohl der Westen wirtschaftlich sehr viel stärker in dem Balkanland aktiv ist, gibt es viel Zuneigung in der Bevölkerung für den "orthodoxen großen Bruder" Russland. Das liegt nicht zuletzt an Russlands Ablehnung der Unabhängigkeit des Kosovos. Serbien weigert sich seinerseits, die internationalen Sanktionen gegen Moskau wegen der russischen Annexion der Krim mitzutragen.

Serbien importiert zudem zwei Drittel seines Erdgases und Rohöls aus Russland und ist von den Lieferungen abhängig. Dem russische Staatskonzern Gazprom gehört Serbiens Ölunternehmen NIS. In einem Interview mit dem Fernsehsender Pink TV sagte Präsident Vucic, er sei offen dafür, "billiges Gas von woanders" zu kaufen. Er habe allerdings noch keines entdeckt.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 09.12.2019 um 10:17 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/putin-zu-prestige-besuch-in-serbien-64246735

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