Weltpolitik

Putsch in Mali: Vermittler suchen nach friedlicher Lösung

Nach dem Militärputsch in Mali versuchen internationale Vermittler, einen friedlichen Weg aus der Krise in dem westafrikanischen Staat zu finden. Die UNO erklärte am Freitag, Zugang zum gestürzten und von den Putschisten festgenommenen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita erhalten zu haben. Derweil feierten tausende Menschen in der Hauptstadt Bamako die Absetzung des Präsidenten.

Keita bekam UNO-Besuch SN/APA (AFP)/DON EMMERT
Keita bekam UNO-Besuch

"Ich bin so glücklich! Wir haben gewonnen, denn es ist der Sieg des Volkes", sagte die jubelnde Mariam Cissé. Auch Ousmane Diallo folgte dem Demonstrationsaufruf einer oppositionellen Parteienallianz. "Wir sind hier, um den Sieg des Volkes zu feiern", sagte der 62-Jährige und fügte hinzu: "Jetzt darf das Militär nicht denken, es könne an der Macht bleiben".

Ein Armeevertreter sagte, die durch den Putsch an die Macht gekommenen Militärs hätten Vertretern der UN-geführten Friedensmission MINUMA einen Besuch bei Keita und anderen Festgenommenen gestattet. Das MINUSMA-Team habe in der Stadt Kati alle 19 festgenommenen Vertreter der bisherigen Führung des Landes treffen können. Zwei Festgenommene seien später freigelassen worden. Damit sind noch 17 Regierungsmitglieder und Beamte in der Hand der Militärs, darunter neben Keita auch Regierungschef Boubou Cissé.

Am Samstag werden in Mali Vertreter der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) erwartet, um nach einer friedlichen Lösung zu suchen. Die aus 15 westafrikanischen Staaten bestehende Organisation hatte sich kurz nach dem Putsch auf die Seite Keitas gestellt und seine Rückkehr ins Amt gefordert.

Frankreich, Großbritannien und Deutschland erklärte am Freitag, an ihrem Anti-Terror-Einsatz in dem westafrikanischen Land festhalten zu wollen. "Das Engagement ist weiter notwendig, weil der Terrorismus nach wie vor eine große Bedrohung auch für uns hier ist", sagte die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei einem Treffen mit ihren Kollegen Florence Parly und Ben Wallace am Freitag in Dillingen. Die Putschisten müssten die versprochene "Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung" schnellstmöglich umsetzen.

Am Donnerstagabend hatte die Militärjunta angekündigt, einen Übergangspräsidenten an die Spitze des westafrikanischen Staates zu setzen. Dieser werde "entweder ein Militärangehöriger oder ein Zivilist sein", sagte ein Militärsprecher im Sender France24.

Soldaten der malischen Armee hatten am Dienstag einen Militärstützpunkt nahe der Hauptstadt Bamako besetzt und geputscht. Präsident Keita verkündete nach seiner Festnahme und unter dem Druck der Militärs seinen sofortigen Rücktritt und die Auflösung des Parlaments, um nach eigenen Angaben ein Blutvergießen zu verhindern.

Keita stand seit geraumer Zeit unter Druck, weil es ihm unter anderem nicht gelungen war, die seit 2012 andauernden Angriffe von Islamisten vor allem im Norden des Landes unter Kontrolle zu bringen. Verschleppte politische Reformen, eine schwächelnde Wirtschaft und Korruptionsvorwürfe verschlechterten die Lage zudem. Die Entmachtung der Staatsführung stieß international auf harsche Kritik.

Der Krisenstaat wird seit Jahren von Terrorgruppen geplagt, von denen einige dem "Islamischen Staat" (IS) und dem Terrornetzwerk Al-Kaida die Treue geschworen haben. Frankreich hat etwa 5.100 Soldaten in der Sahelzone. Zudem unterstützt eine UN-Mission den Friedensprozess in Mali, nachdem der Norden des Landes 2012 vorübergehend in die Hände von Rebellen geraten war. Hinzu kommt eine EU-Ausbildungsmission. An beiden internationalen Einsätzen ist die auch das österreichische Bundesheer mit derzeit insgesamt 15 Soldaten beteiligt.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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