Weltpolitik

Rascher Durchbruch unwahrscheinlich

Warum Experten eine Abrüstung Nordkoreas in der nahen Zukunft für nicht möglich halten.

Donald Trump kam ohne jeden Nuklearexperten nach Singapur. SN/AP
Donald Trump kam ohne jeden Nuklearexperten nach Singapur.

Bei ihrer jüngsten Auswertung kam die Denkfabrik RAND Corporation auf genau 141 Standorte in Nordkorea, die mit dem Atomprogramm des Regimes in Verbindung gebracht werden. Die Zählung basiert auf Erkenntnissen aus dem Jahr 2014. Vier Jahre später dürfte das über das Land verbreitete Netzwerk an Produktionsstätten für Nuklearbomben weiter angewachsen sein.

Jeder einzelne Standort dehnt sich oft über größere Gebiete aus. Das "Institute for Science and International Security" zählte allein um den Plutonium-Reaktor von Yongbyon 663 Gebäude, die über eine Fläche von fast acht Quadratkilometer reichen.

So viel ist öffentlich bekannt. Die Geheimdienste wissen mehr. Und dann gibt es das, was selbst die CIA und die befreundeten Dienste nicht wissen: Wo sind die versteckten Standorte, die in dem verzweigten Netz an Geheimtunneln im gebirgigen Norden vermutet werden. Dort lagern vermutlich auch die schätzungsweise 20 bis 60 Atombomben, die Pjöngjang bereits produziert und erfolgreich getestet hat.

Nordkorea- und Nuklearexperten weisen auf diese Realität hin, um zu erklären, warum die Erwartung falsch ist, bei dem Gipfel zwischen Präsident Donald Trump und Diktator Kim Jong-Un könnte es zu einem schnellen Durchbruch kommen.

Das von US-Außenminister Mike Pompeo wiederholt bekräftigte "allein akzeptable Ziel" der Verhandlungen - die komplette, überprüfbare, nicht umkehrbaren nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel - sei in Singapur nicht erreichbar; wenn überhaupt. Dies setzte die volle Kooperationsbereitschaft Kims voraus, dessen Vater schon in der Atombombe die Garantie für das Überleben des Regimes gesehen hatte, so betonten viele Fachleute.

Der Atomexperte David Kay geht wie andere Kollegen laut New York Times davon aus, dass eine nukleare Abrüstung Nordkoreas, "mehrere Jahre bis eineinhalb Jahrzehnte" in Anspruch nehmen wird. Dies setzte die Zusammenarbeit des Regimes voraus. "Der nordkoreanische Rüstungskomplex ist für Außenseiter zu groß um ihn abzurüsten."

Der erste Schritt wäre ein vollständiges Inventar des Regimes, das dann mit eigenen Erkenntnissen abgeglichen werden müsste. Die Forderung von Trumps Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, Kim müsse alle Atomwaffen sofort an die USA übergeben, halten Kenner des Regimes für rundherum unrealistisch. Das gleiche gelte für die Erwartung, das Land müsse seine Atomreaktoren stilllegen.

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